Titanic

Uraufführung
Stück von Amina Gusner und Lennart Naujoks

Es war das größte Schiff, das jemals gebaut wurde. Es war das teuerste Schiff, das jemals gebaut wurde, es war das sicherste Schiff, das jemals gebaut wurde – bis es sank. Der Untergang der Titanic war der Untergang eines Fortschrittsglaubens. Ein Schiff – gepriesen als die unsinkbare Königin der Meere – bricht auf nach New York, und plötzlich kommt ein zu großer Eisklumpen dazwischen. Aus. Schluss. Ende der Jungfernfahrt. Die Milliardäre ersaufen genauso wie die armen Schlucker der dritten Klasse. Ein ordinärer Eisberg schlitzte dieses Wunderwerk auf und gab damit nicht nur dem Schiff einen tödlichen Riß, sondern dem technokratischer Machbarkeitswahn einer Welt, die immer größer, schneller, weiter will. Die Titanic ist das Wahrzeichen von Überschätzung und Überheblichkeit geworden.
Die Suche nach der Titanic ist nicht nur das Hinabtauchen in die Tiefen des Nordatlantik. Es ist auch ein Hinabtauchen in die Tiefen unserer Seele, in unsere eigene individuelle und kollektive Geschichte. Es zeigt uns, dass alles von Menschengeist Erfundene mit dem Makel der Fehlbarkeit ausgestattet ist.

In der Stückentwicklung TITANIC widmen wir uns diesem Schiff als schwimmenden Mikrokosmos der menschlichen Gesellschaft und sehen uns genauer diesem gedrängten Schauplatz von sozialen Konflikten und privaten Schicksalen am.
Das schwimmende Hotel der Titanic wird zur Kulisse einer Gesellschaft, die die Katastrophe ignoriert, auch wenn das Wasser schon bis zum Hals steht.

Denn eines kann uns das Schiff im Meer lehren: Es gibt:
– kein unsinkbares Schiff – keine unbesiegbare Armada – keine uneinnehmbare Festung – keine unzerstörbare Burg – keinen unverwundbaren Helden – keine unbezwingbare Supermacht – keine unverlierbare Errungenschaft – keinen unumkehrbaren Fortschritt – kein unendliches Wirtschaftswachstum – keine unbegrenzten Möglichkeiten – keinen unfehlbaren Papst – keine unsterbliche Liebe – keine unsterbliches Leben – keine unantastbare Menschenwürde.

19. Mai 2012
19.30 Uhr