HAUPTSACHE ARBEIT von Sibylle Berg

Extra Vorstellungen von „Hauptsache Arbeit!“ von Sibylle Berg im RAhmen des Aktionstages

Ein Querschnitt durch ein Vergnügungsschiff: Eine Versicherungsgesellschaft hält ein Firmenfest ab. Es wird makrobiotisch gegessen und es werden paardynamische Spiele gespielt von Kollegen, die einander schon im Büro kaum ertragen können.
Der Chef der Firma erklärt, dass die Gewinner der Spielrunden ihren Arbeitsplatz behalten dürfen. Die anderen werden gefeuert, denn eine Statistik besagt, dass 70 Prozent der Arbeitszeit ohnehin nur mit Machtkämpfen verbracht werden. Also erhielte man beim Feuern von 50% der Mitarbeiter und 80% Leistung der Restbelegschaft 100% Effektivitätszuwachs. Verspricht jedenfalls die Motivationsratte Frank, die den Chef bei seinen Auftritten coacht. Der Chef leidet unter Alexithymie und Bruxismus und ist eigentlich verdammt überqualifiziert für das Leben. Auch im Unterdeck sitzen Ratten und kommentieren die Feierlichkeiten und die leere Rhetorik auf dem Tanzdeck. „Ich mag die Stelle, wo sie den Abbau ihrer Stellen beklatschen“, sagt die eine zur anderen. Zwischendurch erklären sie den Mitarbeitern im Nebenraum die Regeln eines Spiels, bei dem man einander elektrische Stromstöße verpasst. Wer rücksichtsloser Stromstöße an Kollegen verteilt, hat seine Stelle erfolgreich verteidigt. Im Raucherraum unterhalten sich ein Mann und eine Frau darüber, ob es effektiver sei, den Arbeitsalltag durch Alkoholgenuss oder exzessives Sporttreiben zu vergessen. Im Vorratsraum fragen sich zwei andere, ob sie Geschlechtsverkehr haben sollen, da es dafür auf Feiern Aufstiegspunkte gibt. Im Maschinenraum erzählt der Chef einer Frau, wie anstrengend das Leben auf der Überholspur ist. Währenddessen warten die Ratten auf dem Unterdeck darauf, dass die Motivationsratte den Kampf um die Arbeitsplätze auf ihre ganz eigene Weise beendet.
Sibylle Berg machte sich 1997 mit dem Roman Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot einen Namen. Sie gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen. Ihre Satire auf die Arbeitswelt ist so bitterböse und dabei so nah an der Wirklichkeit, dass einem mehr als einmal das Lachen im Halse steckenbleibt.

18. Mai 2012
19.30 Uhr