Bitte vorlesen!

© Stiftung Lesen - Thomas Kärcher

Am 16. November findet der 9. Bundesweite Vorlesetag statt und lädt in ganz Deutschland zum Vorlesen ein. Im letzten Jahr gab es bei Deutschlands größtem Vorlesefest mehr als 12.000 Vorlese-Aktionen im gesamten Bundesgebiet. Im Kurzinterview der Woche spicht Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, mit kulturstimmen.de über die Idee und gibt einen Vorgeschmack auf den diesjährigen Aktionstag.

kulturstimmen: Was genau ist der Bundesweite Vorlesetag und welche Idee steckt dahinter?

Dr. Jörg F. Maas: Der Bundesweite Vorlesetag ist Deutschlands größtes Vorlesefest und findet seit 2004 jedes Jahr an einem Freitag im November statt, dieses Jahr am 16. November. An diesem Tag finden im ganzen Land Vorleseaktionen statt – in Kindergärten, Schulen und Bibliotheken genauso wie an ungewöhnlichen Orten wie Museen, Tierparks, Zügen, Fernsehstudios oder Fabriken. Damit wollen die Initiatoren Die ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn ein öffentlichkeitswirksames Zeichen für das Lesen setzen und Freude am Lesen wecken. Über diesen Impuls sollen langfristig Lesekompetenz gefördert und Bildungschancen eröffnet werden.

kulturstimmen: Wer ist die Zielgruppe des Vorlesetags und wie können Interessierte mitmachen?

Dr. Jörg F. Maas: Mitmachen kann jeder und jede – die einzige Voraussetzung ist: Spaß am Vorlesen. Die Anmeldung und Registrierung erfolgt ganz einfach über die Website www.vorlesetag.de, wo auch Tipps und Informationen zur Organisation einer Vorleseaktion und zum Vorlesen zu finden sind. Eine Kontaktbörse auf der Website erleichtert es Vorlesern, einen geeigneten Vorleseort zu finden und hilft umgekehrt Einrichtungen dabei, ehrenamtliche Vorleser für sich zu gewinnen. Die Vorleseaktionen selbst richten sich vor allem an Kinder, um bei ihnen schon früh die Freude am Lesen zu wecken. Für die sich beteiligenden Institutionen eröffnet der Vorlesetag ganz neue weitere Möglichkeiten. So kann zum Beispiel ein Schauspielhaus eine Grundschulklasse zu einer altersgerechten szenischen Vorlese-Aktion einladen und sie so an das Theater heranführen.

kulturstimmen: Gibt es in diesem Jahr etwas, auf das sich die Zuhörer besonders freuen können?

Dr. Jörg F. Maas: Der Vorlesetag lebt von seiner Vielfalt und seiner großen Bandbreite, daher fällt es schwer, eine Aktion besonders hervorzuheben. Außerdem stehen wir ja gerade erst am Beginn der Registrierung. Viele spannende Aktionen werden momentan noch entwickelt. Sicher ist, dass sich auch in diesem Jahr wieder viele Prominente aus Politik, Kultur, Sport und Gesellschaft mit einer Vorleseaktion beteiligen. Im vergangenen Jahr haben neben vielen anderen zum Beispiel Schauspieler Peter Lohmeyer, die ZDF-Journalistin Marietta Slomka und Bildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan vorgelesen. Diese bekannten Persönlichkeiten einmal hautnah zu erleben und mit ihnen in eine Geschichte einzutauchen, ist für viele Zuhörer ein besonderes Erlebnis. Interessierte schauen am besten regelmäßig auf unserer Vorlesetags-Website vorbei: Eine Landkarte gibt ihnen einen schnellen und täglich aktualisierten Überblick über alle öffentlichen Veranstaltungen und Aktionen in ihrer Nähe.

© DIE ZEIT - Vera Tammen

kulturstimmen: Der Bundesweite Vorlesetag findet dieses Jahr zum neunten Mal statt. Was hat sich seit dem ersten Vorlesetag verändert?

Dr. Jörg F. Maas: Vor allem natürlich die Größe und Reichweite. Im vergangenen Jahr haben wir mit rund 12.000 Vorleseaktionen bundesweit eine neue Rekordmarke gesetzt, die wir in diesem Jahr noch weiter steigern wollen. Ich bin mir sicher, dass uns dies gelingt.
Außerdem können wir beobachten, dass das Ehrenamt allgemein und das Vorlesen im Besonderen jünger geworden sind. Es gibt zum Beispiel viel mehr studentische Vorlese-Initiativen als noch vor einigen Jahren. Eines ist jedoch immer gleich geblieben: Mit ihrem Engagement leisten alle Vorleser gemeinsam einen wichtigen Beitrag für eine lebendige (Vor-)Lesekultur in Deutschland.

kulturstimmen: Die Stiftung Lesen ist einer der Hauptinitiatoren des Bundesweiten Vorlesetags. Sie setzt sich bundesweit für die Förderung des Lesens, der Lesemotivation und Lesekompetenz ein. Eines der Hauptanliegen ist die Entwicklung und Stärkung der Medienkompetenz. Weshalb halten Sie dies für eine zentrale Aufgabe?

Dr. Jörg F. Maas: Die aktuellen Zahlen aus den PISA-Studien und die Tatsache, dass in Deutschland 7,5 Millionen funktionale Analphabeten leben, zeigen, dass Lesekompetenz hierzulande keine Selbstverständlichkeit ist. Doch wer nicht lesen kann, hat schlechte Chancen in der Gesellschaft. Lesen ist ein wichtiger Schlüssel für die persönliche Entwicklung, Erfolg in der Schule und im Beruf und gesellschaftliche Teilhabe. Dazu gehört auch der kompetente und kritische Umgang mit verschiedenen Informationsmedien – gedruckt und digital. Aus diesem Grund ist die Leseförderung mit allen Medien ein großes und wichtiges Anliegen, an dem sich möglichst viele verschiedene Gruppen und Institutionen beteiligen sollten.

Das Interview für kulturstimmen.de führte Verena Schmidt

REDAKTION Andrea Wenger | Hinterlasse einen Kommentar

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