Kunst im Abgeordnetenbüro

Rundum Kunst im Büro von Manfred Geis bei der Installation von I. Helen Jilavu und Erik Schmelz

Seit 1999 finden unter dem Titel „Kunst im Abgeordnetenbüro“ in und an Manfred Geis’ Büro im Abgeordnetenhaus des rheinland-pfälzischen Landtags in Mainz Kunstausstellungen statt.  Manfred Geis spricht im Kurzinterview der Woche über diese ungewöhnliche Idee.

kulturstimmen: Wer oder was war der Anlass für die ungewöhnliche Idee, in Ihrem Büro ausstellen zu lassen?

Manfred Geis: Im Frühjahr 1999 wurde das neue Abgeordnetenhaus des Landtags Rheinland-Pfalz eingeweiht mit 16 m²-Büros für alle Abgeordneten. Meinen Kolleginnen und Kollegen wollte ich zeigen, dass Kunst zu meinem Alltag gehört, und Gästen von außerhalb, dass Politik etwas Offenes, Dialogbereites ist.

kulturstimmen: Gibt es ein besonderes Anliegen, das Sie mit den Ausstellungen verfolgen?

Manfred Geis: Siehe erste Frage, inzwischen hat sich ein fester Stamm von „Dauergästen“ herausgebildet, junge Leute aus dem Umfeld der Mainzer Kunstakademie und andere Künstlerinnen und Künstler, Uni- und Medienleute, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Landtag und Ministerien – ein buntes, unhierarchisches Völkchen. Und weil so viele kommen und das Büro für die Kunst doch ein bisschen klein ist, nutze ich jetzt auch den Raum davor für die Ausstellung.
Das ist mir auch wichtig: Jede und jeder Einzelne soll sich gleichermaßen willkommen fühlen und ernst genommen.
Mir macht es ganz viel Spaß, junge Kunst auszustellen, die professionell ist, aber noch nicht etabliert. Spaß am Neuen und am Risiko gehört dazu.

kulturstimmen: Welche Reaktionen rufen die Ausstellungen bei Ihren Kolleginnen und  Kollegen, welche bei den Künstlerinnen und Künstlern hervor?

Manfred Geis: Bei der Aufbauphase gibt es oft noch leicht spöttelnde Bemerkungen, inzwischen haben aber alle gemerkt, dass dies eine ernsthafte Sache ist, der man mit Respekt zu begegnen hat. Etwas mehr Interesse würde ich mir manchmal wünschen, bedauere, dass die Chance zum Dialog mit einem anderen „Milieu“ nicht stärker genutzt wird, weiß aber auch, dass alle Kolleginnen und Kollegen bei ihren jeweiligen Themenbereichen eingespannt sind – und freu mich, dass die Kultur „mein“ Arbeitsfeld ist.
Offenbar sehen es viele jüngere Künstlerinnen und Künstler, inzwischen auch weit über Rheinland-Pfalz hinaus, als Chance, sich einem guten Publikum zu präsentieren, das wenig Interesse am üblichen Vernissagen-Schnickschnack hat – und gern bei einem guten Glas Pfalzwein ernsthaft und lustvoll über Kunst reden will. Für viele ist es die erste Einzelausstellung, inzwischen gab es aber auch schon die ersten „10 Jahre später“-Ausstellungen.

kulturstimmen: Welche Reaktionen beobachten Sie bei den Besucherinnen und Besuchern?

Manfred Geis: Bei den „Profis“ die Gewißheit, dass sie niveauvolle Kunst und weitere ernsthaft interessierte Gäste treffen.
Aber es gibt auch Gäste, für die es die erste Ausstellungseröffnung ist, die sie miterleben. Die Schwelle, eine solche Veranstaltung zu besuchen, ist sicher höher, als wir annehmen.
Für manche ist „Kunst im Abgeordnetenbüro“ inzwischen auch, unabhängig von der jeweiligen Ausstellung, ein beliebter Verabredungs-Treffpunkt.

kulturstimmen: Können Sie sich vorstellen, dass Ihre Idee weitere Verbreitung findet?

Manfred Geis: Einfach Nachmachen fände ich ärgerlich. Da muss es schon eine ernsthafte Beziehung geben, Respekt vor Kunst, Künstlerinnen und Künstlern, auch ganz jungen. Das darf kein Publicity-Gag sein, kein Polit-Event, um (für sich) Aufmerksamkeit zu erregen. Das würden gute Künstlerinnen und Künstler aber auch durchschauen.
Also: Wenn jemand mit einem vernünftigen Konzept, einem Ansatz, der Kontinuität in Qualität und Dauer anstrebt, etwas Ähnliches machen würde, würde es mich freuen – und ich käme gerne zu Besuch.
Inzwischen lade ich alle zu meiner 60. Ausstellungseröffnung seit 1999 am 29. August 2012 ein.
Viele weitere Informationen gibt es auf meiner website www.manfred-geis.de unter „Kunst im Abgeordnetenbüro“ – und meine junge Mitarbeiterin hat entschieden, dass wir uns auch bei facebook präsentieren.

Das Interview für kulturstimmen.de führte Stefanie Ernst

REDAKTION Andrea Wenger | Hinterlasse einen Kommentar

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