Den nächsten Schritt wagen

Foto: Koelnmesse

Nicht nur gespielt wird auf der GamesCom. Sozusagen hinter den Kulissen beraten die Größen aus Videospielbranche, das heißt Entwickler, Publisher, Journalisten, aber auch Fachleute aus Institutionen wie der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) oder des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), die den Videospielraum Deutschland entscheidend mitbestimmen, ebenso wie auch verschiedene Wissenschaftler und Politiker aus dem Medien- und Kulturbereich über die Zukunft der Games in Deutschland. Der GamesCom Congress, der dieses Jahr schon zum vierten Mal stattfindet, bietet den richtigen Rahmen für angeregte, produktive Diskussionen. Jedenfalls theoretisch.

Denn vor allem am gestrigen Donnerstag im Zeichen der Diskussionrunde „Ob Shooter oder Social Game: Videospiele sind Kulturgut!“ verrante man sich viel zu häufig in längst Überholtes. Obwohl der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, mit seinem Statement, dass die Diskussion abgeschlossen und Videospiele in der Gesellschaft als Kulturgut anerkannt seien, nur aufgriff, was schon mit der ersten Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2010 quasi auch symbolisch von der Bundesregierung anerkannt wurde, schienen sich die Teilnehmer alles andere als einig über diese Tatsache zu sein. Viel Zeit verschwendete man nun darauf, über etwas für mich (zugegeben als Videospieler) völlig Klares zu fachsimpeln: Ohne Frage sind Videospiele Kultur. Nach der schon viel zu lange fortgeführten Diskussion sollte nun endlich ein Dialog über die daraus folgenden Konsequenzen entstehen. Natürlich hat Dr. Peter Tauber, Bundestagsabgeordneter der CDU, Recht, wenn er sagt, dass ein “permanenter Diskurs” nötig sei. Nur ein ewiger Disput über die Gewalt in Videospielen bringt keinen weiter. Die Frage, ob Ego-Shooter, häufig auch “Killerspiele” betitelt, Kunst sein können, stellt sich meiner Meinung nach gar nicht. Man würde auch niemals den künstlerischen Wert z.B. eines Reservoir Dogs oder Inglorious Basterds in Frage stellen, nur weil hier offen Gewalt dargestellt wird.

Die Frage ist vielmehr: Wie können Videospiele und Entwickler unterstützt werden?

Wenigstens in Sachen Förderungen war man sich einig: Videospiele sollten gefördert werden. In welcher Form und in welchem Ausmaß, darüber lässt sich natürlich streiten. Der Deutsche Computerspielpreis ist dabei natürlich ein guter Anfang, aber im Vergleich z.B. zum Film, der in Deutschland, so Dr. Maximilian Schenk, seines Zeichens Geschäftsführer des Bundesverband Interaktiver Unterhaltungssoftware e. V. (BIU), 100 mal mehr gefördert werde, als Videospiele, scheint es noch ein weiter Weg zu sein. Ohne Zweifel wird das Selbstverständnis der Videospielentwickler von entscheidender Bedeutung sein. Sehen sie sich als Künstler, mit künstlerischer Verantwortung und dem Willen, so Olaf Zimmermann, “künstlerische Innovationen” zu liefern, können diese auch als Künstler gefördert werden. Ziel müssen hier die kleinen, unabhängigen deutschen Entwickler sein. Als Videospieler weiß ich, wie häufig die kleinen Firmen ihre Kreativität verlieren, wenn sie sich in die Fänge von großen Publishern begeben (z.B. Bioware, Rare). Um das zu verhindern, brauchen diese Entwickler ein angemessenes Förderprogramm. Ebenso interessant für diese Fragestellung ist, inwieweit Videospiele aus Deutschland ein eigenes Profil besitzen, das heißt, ob es einen Unterschied bei in Deutschlad, Japan oder den USA hergestellen Videospielen gibt, der derart charakteristisch ist, dass es sich lohnt, eine Förderung wie es sie auch für den deutschen Film gibt auch für in Deutschland hergestellte Videospiele einzurichten. Dass japanische Spiele häufig deutlich erkennbare Besonderheiten aufweisen, das ist jedem klar, der sich mit Videospielen beschäftigt. Die feinen Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Produktionen müssen allerdings noch herausgearbeitet werden. Ich denke da z.B. an den Point-and-Click-Adventure-Markt, der zu großen Teilen mit hervorragenden deutschen Werken gefüttert wird (Daedalic Entertainment, Deck13). Hier sollte man ansetzen und aufhören, sich im Kreis zu drehen.

Von Felix Zimmermann

 

REDAKTION Stefanie Ernst | Hinterlasse einen Kommentar

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