Rock’n Roll und Rapper: die Jugend erforschen

Forschen und stöbern in der Bibliothek des Archivs der Jugendkulturen

Kennen wir „die Jugend“? Dieser Frage widmet sich das Archiv der Jugendkulturen in Berlin. In einer frei zugänglichen Bibliothek bietet es Bücher, Zeitschriften, Musik und Filme von und über junge Menschen; in Projekten, Ausstellungen und mit eigenen Publikationen widmet es sich gesondert jugendlichen Szenen und Themen. „Die Jugend“ umfasst eine bunte kulturelle Breite – Klaus Farin, Gründungsmitglied des Archivs der Jugendkulturen e.V., spricht im Kurzinterview über die Arbeit des Vereins.

Kulturstimmen: Warum wurde das Archiv der Jugendkulturen gegründet?
Klaus Farin: Weil sich sonst niemand nachhaltig mit Jugendkulturen forschend beschäftigte und es keinerlei Einrichtung gab, in der man sich zu diesem Thema auch anhand authentischer Quellen informieren konnte.

Kulturstimmen: Welche Bedeutung hat das Archiv der Jugendkulturen speziell für junge Menschen?
Klaus Farin: Für SchülerInnen sind unsere rund 120 Workshops und Projekttage bundesweit hoffentlich sehr interessant, Studierende nutzen unseren einmaligen Bestand für ihre Abschlussarbeit, aber vor allem lernen Erwachsene durch unsere Arbeit vielleicht einen differenzierteren Blick auf „die Jugend“ – und davon würde diese wohl am meisten profitieren.

Kulturstimmen: Wie entsteht eine Jugendszene? Gibt es dabei heute Unterschiede zu früher?
Klaus Farin: Eigentlich hat sich nicht viel seit den Zeiten des Rock’n’Roll geändert: Ein paar „Verrückte“ wollen sich abgrenzen vom langweiligen Rest der Welt, erfinden ihre eigene Mode/Musik/Sprache, dann entdeckt die (Medien-)Industrie es, bis es immer mehr Nachahmer gibt, aus einer Subkultur ein Trend wird, und sich irgendwo ein paar Jugendliche von diesem langweiligen Mainstream abwenden und was Neues erfinden …

Kulturstimmen: Mit welcher Szene befassen Sie sich aktuell?
Klaus Farin: Wir forschen gerade am intensivsten zur autonomen Szene, zu Ultras und dem Komplex „Älter werden in Jugendkulturen“, weil wir zu diesen dreien für 2013 Bücher planen.

Kulturstimmen: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Archivs?
Klaus Farin: Als Optimist: Dass die Berliner Politik uns endlich zur Kenntnis nimmt und strukturell fördert. Als Realist: Dass wir auch ohne noch einmal 15 Jahre überleben, weil uns viele engagierte Einzelmenschen unterstützen. Also: Senden Sie uns einfach eine SMS mit JUGEND an die 8 11 90.

[Die SMS kostet 5 €, davon gehen 4,83 € direkt an unsere Stiftung www.respekt-stiftung.de.]

Das Interview für Kulturstimmen führte Linda Schwarz.

REDAKTION Stefanie Ernst | Hinterlasse einen Kommentar

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