Frage der Zeit: Digitalisierung der Unikinos

Warten auf den Filmstart im Hörsaal; © aka-Filmclubs Freiburg

Der aka-Filmclub e.V. in Freiburg ist einer der ältesten und meistbesuchten studentischen Filmclubs Deutschlands. In diesem Jahr feierte er mit einer Sondervorstellung, dem Zuschauer-Wunschfilm „Metropolis“, in seinem Hörsaal-Kino in der Universität sein 54-jähriges Jubiläum. Filmbegeisterte Mitglieder berichten im schriftlichen Interview mit kulturstimmen.de über die Bedeutung, die sie ihrem Studentenkino beimessen, sowie über aktuelle Diskussionen um die Digitalisierung des Kinos.

Kulturstimmen:  Warum sind Studentenkinos in Deutschland wichtig?
aka-Filmclub: Die Studentenkinos verstehen sich als Teil des kulturellen Angebotes an den jeweiligen Hochschulen, mit dem Ziel, den Studierenden der Hochschulen Kinovorführungen zu studentischen Konditionen zu ermöglichen. Dabei ist es ein Anliegen, auch einen Zugang zu Filmen zu bieten, die in den meisten Kinos, sieht man von Programmkinos ab, nicht mehr zu sehen sind. Dazu gehören z.B. Stummfilme, Meilensteine der New Hollywood-Ära, Werke des Neuen Deutschen Films oder zeitgenössische Independentproduktionen aus der ganzen Welt. Die Hochschulkinos bemühen sich zudem darum, einen technisch hochwertigen Standard erreichen und halten zu können, um im Hinblick auf das Filmerlebnis dem Begriff „Kino“ gerecht zu werden. Damit leisten Studentenkinos einen wichtigen Beitrag zur Kinokultur am jeweiligen Standort und bieten eine wichtige Plattform, um sich im universitären Rahmen filmisch weiterbilden zu können.

Auf der anderen Seite bieten die Unikinos interessierten Studenten die Möglichkeit, einen Kinobetrieb aktiv mitgestalten zu können und durch die Arbeit in der Gruppe tiefere Einblicke in Programmgestaltung, Filmtechnik, Filmwissenschaft und nicht zuletzt auch in die Vereinsarbeit zu erhalten.


Kulturstimmen: Wer ist Mitglied des aka-Filmclub? Wie arbeitet er, was leistet er?

aka-Filmclub: Der aka-Filmclub ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein, in dem sich ca. 30 Studenten aller Fakultäten ehrenamtlich engagieren. Der Verein steht allen Interessierten offen; jeder, der Lust hat, kann sich also einbringen. Sämtliche Entscheidungen, von der Programmgestaltung bis hin zur Finanzierung verschiedener Projekte, werden basisdemokratisch von dem obersten Gremium, der Vollversammlung, beschlossen. Für die verschiedenen Arbeitsbereiche gibt es einzelne Teams, zum Beispiel für die Programmheftgestaltung, Filmlogistik, Vorführtechnik oder auch für die Umsetzung von technischen Neuerungen, gerade auch was die Umrüstung auf digitales Kino angeht. Das alles wird von einem Vorstandsteam koordiniert.

Zu Beginn des Semesters wird das Programm festgelegt, das sich aus Filmreihen, Einzelfilmen und Sonderveranstaltungen wie Live-Vertonung von Stummfilmen oder Filmvorträgen zusammensetzt. Der aka legt größten Wert darauf, Filme im Original mit Untertiteln zu zeigen und, sofern noch möglich, auf 35mm. In den Vorlesungszeiten spielen wir drei bis fünf Vorstellungen pro Woche, für jeden Wochentag gibt es ein verantwortliches Vorführteam. Das ganze findet in einem Hörsaal der Universität statt, in den bis zu 400 Zuschauer passen. Die Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse für 1,50 Euro. Ein Verkauf von Speisen und Getränken findet nicht statt, aber unsere Zuschauer können ihre Verpflegung selbst mitbringen. Mit im Durchschnitt etwa 130 Zuschauern pro Vorführung (2011) erfährt unser Kinoprogramm recht großen Zuspruch. Im Wintersemester 2010/2011, also innerhalb eines halben Jahres, konnten wir mit über 7.600 Zuschauern sogar einen Besucherrekord knacken! Der aka-Filmclub zählt somit zu den sogenannten Kriterienkinos, die eine Besucherzahl von min. 8.000 Zuschauern im Jahr erreichen.


Kulturstimmen:  Welche Meinungen gibt es im aka-Filmclub bezüglich der Debatte um die Digitalisierung von Kinos?

aka-Filmclub: Das Thema Digitalisierung wird natürlich auch im aka-Filmclub stark diskutiert. Einerseits ist es bedauernswert, dass mit dem Rückgang von 35mm-Kopien auch ein Stück Kinokultur und -geschichte verdrängt wird. Dennoch herrscht im Großen und Ganzen Konsens darüber, dass auch wir an einer Digitalisierung in Ergänzung zur 35 mm-Vorführtechnik nicht herumkommen, soll weiterhin eine ausgewogene und unabhängige Programmgestaltung möglich sein. Wie alle kleineren oder nicht-gewerblichen Kinos stehen jedoch auch wir vor der großen Herausforderung, diese Umrüstung finanziell zu stemmen. Um diese Aufgaben lösen zu können und nachfolgenden aka-Generationen eine zukunftsfähige Kino-Infrastruktur zu hinterlassen, befindet sich der aka-Filmclub derzeit in einer Planungsphase. Dabei befassen wir uns mit Themen wie staatlichen und privaten Fördermöglichkeiten, Zusammenarbeit mit anderen Unikinos, Fragen der technischen Umsetzbarkeit und der Beobachtung des digitalen Marktes.


Kulturstimmen:  Welche Veränderungen würde die Digitalisierung des Kinos des aka-Filmclub bedeuten? Gäbe es spürbare Auswirkungen für das Publikum?

aka-Filmclub: Eigentlich ist es eher umgekehrt: Sollte keine Digitalisierung stattfinden, wären wir voraussichtlich in der Filmauswahl stark eingeschränkt, da die Verfügbarkeit von 35 mm-Kopien, gerade bei aktuellen Filmen, stark zurückgehen wird und wir –wenn überhaupt möglich – auf DVD bzw. BluRay ausweichen müssten. Darunter würde die Vielfalt des Kinoprogramms deutlich leiden! Eine spürbare Auswirkung für das Publikum ist allein in der neuen Projektionsform begründet, nämlich dass sich die Bildästhetik auf der Leinwand durch die digitale Projektion verändern wird. Darüber hinaus stellt sich leider auch die Frage, ob im Zuge der hohen Investitionskosten die Eintrittspreise angehoben werden müssen.

Für uns als Kinobetreiber und Filmvorführer ergeben sich allerdings deutliche Veränderungen. Die Filme werden dann nicht mehr auf Filmrollen, sondern auf Festplatten geliefert und müssen auf einen speziellen Server in der Vorführkabine überspielt werden, der mit dem Digitalprojektor verbunden ist und über einen PC angesteuert werden kann. Damit geht auch ein technisches Know-how einher, das wir uns alle erstmal aneignen müssen. Vor allem die Behebung von möglichen technischen Problemen wird sicherlich nicht mehr so einfach sein, wie bei einem mechanisch betriebenen 35 mm-Projektor.


Kulturstimmen: Die Digitalisierung ist kostenintensiv. Wie möchte der aka-Filmclub als gemeinnütziger Verein dieses Problem angehen, wie gehen andere Studentenkinos mit dieser Frage um?

aka-Filmclub: Einerseits kann der aka-Filmclub aufgrund sehr erfolgreicher Semesterzahlen in der jüngeren Vergangenheit auf ein solides Eigenkapital zurückgreifen, das den Grundstein für die Finanzierung darstellt. Darüber hinaus sollen Fördermöglichkeiten wie beispielsweise durch die Filmförderungsanstalt oder den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ausgeschöpft werden. Zudem prüfen wir derzeit, ob es Möglichkeiten der privaten Förderung gibt. Allerdings wollen wir versuchen, ohne private Kredite, bspw. durch Banken auszukommen, um den nachfolgenden Generationen keine Schulden zu hinterlassen.

Damit befindet sich der aka-Filmclub aber in einer besonderen Situation. Denn das große Problem bei dieser Sache ist, dass die meisten Unikinos, wenn sie keine Kriterienkinos sind, von den Förderprogrammen von Bund und Ländern nicht profitieren. Diese orientieren sich nämlich an Umsatz- und Besucherzahlen, die Besonderheiten des Spielbetriebs studentischer Kinos, z.B. mit Semesterferien als lange Unterbrechungen im Spielbetrieb, werden leider nicht berücksichtigt. Dies wiegt besonders schwer, da es sich bei den Unikinos um nicht-kommerzielle Kinobetriebe handelt, die sich die hohen Investitionskosten im Zuge der Umrüstung kaum oder gar nicht leisten können. Im letzten Jahr wurde daher eine Kooperation zwischen den Unikinos in Deutschland ins Leben gerufen, der „Arbeitskreis Hochschulkinos im Bundesverband kommunaler Filmarbeit (BKF)“, um die Ziele und Probleme für studentische Kinos besser artikulieren zu können. Im Zuge dieser Kooperation wurden Briefe an den Kulturstaatsminister Bernd Neumann und an die Bildungsministerin Annette Schavan verfasst, die den Stellenwert von Studentenkinos im Kulturprogramm der Universitäten deutlich machen und auf die für die Unikinos ungünstige Situation bei den Förderprogrammen aufmerksam machen sollten. Leider blieben die Briefe entweder unbeantwortet oder es wurde dem Anliegen trotz Anerkennung des kulturellen Stellenwertes aufgrund strikter haushaltspolitischer Regelungen eine Absage erteilt. Trotzdem arbeitet die Kooperation weiterhin an vielfältigen und kreativen Lösungen, um eine Digitalisierung der Hochschulkinos zu ermöglichen.

Auf www.aka-filmclub.de präsentiert sich der Filmclub mit seinem aktuellen Programm und Neuigkeiten rund um das Kino.

Das Interview für Kulturstimmen führte Linda Schwarz.

REDAKTION Stefanie Ernst | Hinterlasse einen Kommentar

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