Energie bitte! Am Wochenende wird Baukultur erlebbar

Foto: Ute Kluge

An diesem Wochenende (23. und 24.06.) findet bereits zum 18. Mal der bundesweite “Tag der Architektur” statt. In allen Bundesländern laden die Architektenkammern unter dem Motto “Energie” Interessierte ein. Das Kurzinterview der Woche mit Corinna Seide von der Bundesarchitektenkammer gibt einen Vorgeschmack auf alles Sehenswerte und Erlebbare des kommenden Wochenendes.

Kulturstimmen: Was bietet der “Tag der Architektur”?
Corinna Seide: Kurz gesagt: Bundesweit eine Vielzahl von Besichtigungsmöglichkeiten von guter von Architekten entworfener Baukultur. Geboten wird ein breites Spektrum an Bautypologien: Privathäuser, neue Miet- und Eigentumswohnungen, Gewerbeimmobilien, Schulen und Kitas, Einrichtungen für Senioren bis hin zu Gärten und Parks. Neben Alltagsarchitektur gibt es auch spektakuläre Neubauten, wie das “Dortmunder U” (Gerber Architekten) oder die Restaurierung und den Erweiterungsbau im Kloster St. Marienstern in Mühlberg/Elbe; (Onno Folkerts, Phillip Raum /Angelis & Partner Architekten, Herzberg) zu besichtigen. Für die Besucher ergibt sich der besondere Reiz am Tag der Architektur daraus, dass die meisten Objekte üblicherweise nicht zur Besichtigung geöffnet sind. Außerdem können sie neben vielfältigen Anregungen für eigene Planungs- und Baumaßnahmen auch im direkten Gespräch mit den Architekten Positionen diskutieren und Fragen erörtern.

Kulturstimmen: Welche Ziele verbinden Sie mit dem “Tag der Architektur”?
Corinna Seide: Der Tag soll dazu beitragen, Architektur als gebaute Umwelt, als Kulturgut für den alltäglichen Gebrauch im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Gleichzeitig können Besucher erleben, was es heißt, von Architekten individuelle, auf den jeweiligen Bauherren zugeschnittene Lösungen geplant zu bekommen.

Kulturstimmen: Warum wurde als das diesjährige Motto “Energie” ausgewählt?
Corinna Seide: Nicht erst seit der Energiewende gehört die Energieeffizienz von zu den zentralen Themen beim heutigen Bauen. Sie ist gleichzeitig die Herausforderung an die Qualität von Baukultur: Funktion und Ästhetik dürfen nicht zum Widerspruch werden. Die energieeffizienten Gebäude sollen nicht einer Zukunft als unförmiger Thermoklotz unter Wärmedämmverbundsystemen überlassen werden. Dafür ist Energie gefragt: die kreative Energie der Architekten für innovative Lösungen.

Kulturstimmen:Wie wird das Motto an diesen Tagen umgesetzt?
Corinna Seide:
Es werden viele Beispielprojekte gezeigt: Neugebaute Plusenergie-Häuser, energetisch sanierte Wohnanlagen oder beispielhafte Fassadensanierungen. Darüber hinaus bieten die meisten Architektenkammern in den Bundesländern Führungen und Vortragsprogramme an. Unter http://tag-der-architektur.de/site/600/default.aspx kann man sich einen Überblick über alle Besichtigungsmöglichkeiten in seinem jeweiligen Bundesland verschaffen.

Kulturstimmen: Haben Sie einen besonderen Besichtigungstipp?
Corinna Seide: Das ist sehr schwer, da ich nur einen sehr geringen Teil der 1.700 zu besichtigenden Projekte selbst kennengelernt habe.
Beeindruckt hat mich das Betriebsgebäude der artis GmbH in Berlin-Kreuzberg. Hier entstanden in nicht einmal sieben Monaten Bauzeit eine Werkhalle und ein Verwaltungstrakt in Holzbauweise, die im Grundbetrieb (ohne die schweren Produktionsmaschinen) ein Energieplusgebäude bilden. Besonders auffällig ist die mit Holzschindeln verkleidete Fassade der Halle, die in ihrer rauen Gestaltung die Produktionsprozesse der Holzverarbeitung im Inneren wiederspiegelt.

Die Fragen für Kulturstimmen stellte Linda Schwarz (Deutscher Kulturrat). Corinna Seide ist Referatsleiterin für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesarchitektenkammer.


REDAKTION Stefanie Ernst | Hinterlasse einen Kommentar

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