Liebeserklärung an Literatur und Kultur in Mainz

Mainzer Literaturfestival

In der nächsten Woche ist es soweit: Vom 11. bis zum 13. Mai es ist wieder Zeit für das Mainzer Literaturfestival. In ungezwungener Atmosphäre werden Publikum, Autoren, Verleger und andere Kulturschaffende zusammengebracht. Statt ganz großer Namen setzt man in Mainz auf das Kredenzen von Geheimtipps. In der Eigendarstellung sprechen die Macher von dem Mainzer Literaturfestival als „einem kulturellen Beitrag und [einer] Liebeserklärung an Literatur, Kultur und Mainz.“. Was hinter dieser Liebeserklärung steckt, fragte kulturstimmen die Geschäftsführerin des gONZoverlags und Leiterin des Festivals, Miriam Spies.

kulturstimmen: Wie und warum entstand das Mainzer Literaturfestival?

Miriam Spies: Die Idee zu diesem Festival entstand 2009, d.h., eigentlich Ende 2008.
Damals gab es seit einem guten Jahr den gONZoverlag, der so klein war, dass er nicht mehr als ein bis zwei Bücher pro Jahr rausbringen konnte. Es gab aber bedeutend mehr interessante Autoren. So entstand die Idee, diese Autoren nicht in einer Anthologie,  sondern auf einem Festival zu präsentieren. Zudem findet in Mainz alle zwei Jahre die Mainzer Minipressen-Messe statt. Ich dachte, das könne man Leipzig liestmäßig
verweben: die Messe und ein Literaturfestival. Und der schnödeste Grund von
allen war: Mainz hatte zu dieser Zeit kein Literaturfestival. Und besser als über ein nicht vorhandenes Festival zu klagen ist es bekanntlich, einfach eins aus dem Boden zu stampfen.

kulturstimmen: Das Mainzer Literaturfestival grenzt sich vom Mainstream ab. Wo kann man es verorten?

Miriam Spies: Wie der komplette gONZoverlag sich stark an die amerikanische Beatbewegung der 60er Jahre anlehnt, ist auch das Festival atmosphärisch dort angesiedelt. Aber im Grunde ist es ein Sammelbecken für Künstler aller Subkulturen.

Kulturstimmen: Das Festival-Programm ist ungewöhnlich, es bietet  u.a. Literaturshows, Musikkolumnen und eine Blues-Predigt-Performance. Steht Literatur da noch im Vordergrund?

Miriam Spies: Literatur ist der Kern, der Samen des Festivals und die aufgefahreren Spielarten sind die Blüten, die dieser Samen tragen kann. Und je vielfältiger diese Spielarten sind, um so interessanter ist es doch. Wer würde denn hintereinander 10 alte Herren mit Holztisch und Wasserglas hören wollen? Die Gattung Literatur bietet so viele Möglichkeiten, warum sollten wir die nicht ausschöpfen? Die Zeiten von Epik, Lyrik & Dramatik in absoluter Formstrenge sind schon sehr lange rum.

kulturstimmen: Im Programm stehen außerdem viele offenen Diskussionen und bei der Verleihung Ihres Literaturpreises »Goldener Gonzo«, für den sich jede und jeder bewerben kann, trifft das Publikum die finale Entscheidung. Im letzten Jahr gab es ein interaktives Rahmenprogramm. Was versprechen Sie sich von der starken Einbeziehung der Besucherinnen und Besucher?

Miriam Spies: Wenn Sie die Auswahl zwischen einer Veranstaltung, bei der Sie ausschließlich zahlen und stillsitzen dürfen und einer, bei der Sie in Workshops was lernen können, etwas zum Verlauf des Abends beitragen können oder die Möglichkeit haben, mit anderen in Kontakt zu kommen – für welche Veranstaltung würden Sie sich entscheiden? Festival hat von Grund auf immer auch etwas mit einem “WIR-Gefühl” zu tun. Wenn ich mich einfach nur kulturell berieseln lassen will, kann ich auch ARTE gucken (was auch super is, aber eben etwas anderes).

kulturstimmen: Das Festival findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt. Hat es sich seitdem entwickelt? Haben Sie Pläne für die kommenden Jahre?

Miriam Spies: Alles ist immer im Fluss.

Miriam Spies ist Geschäftsführerin des gONZo Verlages
Das Interview führte Linda Schwarz, Deutscher Kulturrat.

REDAKTION Stefanie Ernst | 1 Kommentar
  1. das klingt sehr lebendig.
    Habe selbst ein Buch verfasst : ‘poetische miniaturen’-suche schon länger nach einem verlag!…mit Grüßen! Sabine Kraemer

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