Carmina Mundi: “wellness” für die Ohren

Präsentierte a-cappella-Chorkunst in reiner Stimmung: „Carmina Mundi“ mit Chorleiter Harald Nickol, FOTO: Orpheus Karageorgiou

Kultur gut stärken / Der Aachener Chor begeistert erneut in der Aula Carolina

„Aachen – Wenn der Aachener Musikschulleiter Harald Nickoll mit seinem Ensemble „Carmina Mundi“ zum Konzert bittet, wissen nun bereits viele Zuhörer, was sie erwartet: ein immens großes und variantenreiches Spektrum an anspruchsvoller a-cappella-Kunst auf höchsten Niveau. So auch diesmal wieder, wo – trotz zeitgleicher Fernsehübertragung des Championsleague-Finales – zahlreiche Besucher in die nahezu vollständig gefüllte Aula Carolina strömten. Ihr Kommen sollte reich belohnt werden:zu Beginn der beiden Konzertteile überraschte der Chor, indem er sich stimmengemischt rund um das Publikum aufstellte und mit einem achtstimmigen Renaissance-Stück bzw. dem mystischen „Lumina Lina“ das Publikum in einem Stimmenmeer baden ließ: eine beeindruckende Herausforderung an jeden einzelnen Akteur! Titelgebend für das Konzert „Klinge, alte Wunderstadt“ war Brahms „Vineta“, das derart ergreifend präsentiert wurde, dass das Publikum die erzeugte Stimmung spontan nicht durch Applaus unterbrechen wollte. Mit drei weiteren Vertonungen von J. Brahms und  H. Schütz sollten die Liebhaber romantischer Musik auf Ihre Kosten kommen. Ganz andere Töne erklangen zum jeweiligen Ende der beiden Konzertteile: ob die 9-stimmige Mahler-Bearbeitung „Um Mitternacht“, das bitonale „Death shall have no dominion“ (S. Bergh) oder die sich permanent steigernde Genealogie von Christus bis Gott in A. Pärts „Which was the son of . . .“. Hier wurden jeweils ganz unterschiedliche Spannungs- und Klangräume aufgestossen und mit filigranen Pianissimi und kraftvollen Forti versehen. Dies traf auch auf das letzte Werk des Abends, B. Brittens „Advance democracy“ zu. Zuvor hatte der Chor noch mit „Leonardo dreams of his flying machine“ (E. Whitacre) Da Vincis Fluggerät zum rasanten virtuellen Flug durch die Aula Carolina verholfen. Wer aber glaubt, Carmina Mundi hätte nicht noch eine andere Klangfacette in seinen beiden vom Publikum geforderten Zugaben parat gehabt, sah sich erneut getäuscht: mit einem schlichten norwegischen Wiegenlied verabschiedete sich der Chor endgültig von der Bühne. Wunderbarer Klang, beglückte Gesichter, viel Applaus – ein denkwürdiger Beitrag zum Aktionstag „Kultur gut stärken“ des Deutschen Kulturrats, der dieses Jahr unter dem Motto „Wert der Kreativität“ stand.“

REDAKTION Andrea Wenger | Hinterlasse einen Kommentar

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