Wettbewerb MIXED UP: Förderung der Zusammenarbeit von Kultur und Schule

Theater für Niedersachsen - Tanzt -

Die Zusammenarbeit zwischen Kultureinrichtungen und Schulen stellt einen Gewinn für beide Seiten dar. Diese Grundidee liegt dem bundesweiten Wettbewerb MIXED UP zugrunde, welcher vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bundesvereinigung für Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. ausgelobt wird. Gesucht werden hierbei Bildungspartnerschaften, die nachhaltig gut zusammenarbeiten und sowohl Kindern als auch Jugendlichen die Option auf künstlerisches Schaffen, umfassenden Kompetenzerwerb und Persönlichkeitsbildung bieten. Insgesamt werden sechs Preise im Wert von je 2.500 Euro vergeben. Einsendeschluss ist der 1. April 2012. Im heutigen Kurzinterview gibt uns Ulrike Münter einen Einblick in Idee, Struktur und Zielsetzung des
Wettbewerbs.

kulturstimmen: Welche Idee steht hinter MIXED UP, dem bundesweiten Wettbewerb für Kooperationen zwischen Kultur und Schule?

Ulrike Münter: Kulturelle Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen und neue Lehr- und Lernkulturen in Schule. Zur Erläuterung: Wenn Künstler/innen, Kultureinrichtungen und Akteure der Kulturellen Bildung mit Schule zusammenarbeiten, eröffnen sie den beteiligten Schülern/innen neue Lernhorizonte und ermöglichen ihnen – je nach Sozialisationshintergrund vielleicht zum ersten Mal – einen aktiven Zugang zu Kunst und Kultur. Gerade Schüler/innen aus bildungsfernen Schichten suchen in den seltensten Fällen von sich aus ein Theater, eine Jugendkunstschule oder eine zirkuspädagogische Einrichtung auf. Konfrontiert man sie hingegen in der Schule mit Kultureller Bildung, öffnen sich für sie neue Welten kultureller Teilhabe.

Sinnes- und wahrnehmungsorientierte Arbeitsansätze und Methoden der Kulturellen Bildung tragen dazu bei, das Lernen in der Schule ganzheitlicher und subjektorientierter zu gestalten. Unter Einsatz von Kopf, Herz und Hand können Unterrichtsinhalte erfahr- und begreifbar gemacht werden. Mehr Kulturelle Bildung in und mit Schulen lautet daher die Leitidee, die hinter MIXED UP steht.

kulturstimmen: Wer kann am Wettbewerb MIXED UP teilnehmen? Welche Vorraussetzungen müssen potenzielle Bewerber erfüllen?

Ulrike Münter: MIXED UP richtet sich an Bildungspartnerschaften von Kultur und Schule im gesamten Bundesgebiet. Angesprochen sind alle Kooperationsteams, die aus mindestens einem außerschulischen kulturellen Partner und einer allgemeinbildenden Schule bestehen. Den Profilen der kulturellen Partner, den künstlerischen Sparten und den beteiligten Schulformen sind dabei keine Grenzen gesetzt. Bewerben können sich z. B. freischaffende Künstler/innen, Kulturpädagogen/innen, Kultureinrichtungen, Kulturvereine, etc. gemeinsam mit Schulen jeglicher Organisationsform. Berücksichtigt werden aktuell laufende oder bereits abgeschlossenen Projekte.

kulturstimmen: Nach welchen Kriterien erfolgt die Preisvergabe?

Ulrike Münter: Gesucht werden Kooperationen mit Impulsfunktion, Kooperationen, die den Lernort Schule weiterentwickeln, Kooperationen für mehr Bildungschancen und Teilhabe, Kooperationen, die die Schüler/innen in den Mittelpunkt stellen und Kooperationen mit Netzwerkcharakter. Was die Wettbewerbsveranstalter konkret darunter verstehen, können Sie in unserem Flyer nachlesen, den Sie unter www.mixed-up-wettbewerb.de finden.

kulturstimmen: Der Wettbewerb MIXED UP wirbt für ein neues Bildungsverständnis. Wie genau sieht dieses aus?

Ulrike Münter: „Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.“. Dieses Zitat des vorsokratischen Philosophen Heraklit bringt zumindest eine Dimension des beworbenen Bildungsverständnisses auf den Punkt: Nicht passives Pauken sondern aktives Lernen und Begreifen stehen hier im Fokus. Es geht nicht um das Abarbeiten von Kanons sondern um das Wecken und die Förderung von Motivation und individuellen Fähigkeiten. Lernen findet ganzheitlich, mit allen Sinnen und stärkenorientiert statt. Vielfältige Bildungsorte und Bildungssituationen bieten eine attraktive Plattform für die Entwicklung eigener Kompetenzen. Dabei stehen Prinzipien wie Partizipation und Subjektorientierung im Vordergrund. Bildung wird hier vor allem verstanden als die Bildung der Persönlichkeit, mit all ihren Potentialen für eine gelingende Lebensführung.

kulturstimmen: Bereits seit 2005 steht der Wettbewerb MIXED UP für mehr kulturelle Bildung an Schulen und damit für grenzenlosen Zugang zu Kunst- und Kulturangeboten für alle Kinder und Jugendliche. Wie gestaltet sich die Umsetzung dieses Ziels in der Realität?

Ulrike Münter: Bleiben wir realistisch: Der Weg zu grenzenloser kultureller Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen ist lang. Das Ziel wird nicht allein  durch unseren Wettbewerb erreicht. Dafür braucht es vor allem politische Rahmenbedingungen. MIXED UP kann diese Entwicklungen jedoch flankieren und innovative Impulse setzen. Eine 2011 veröffentlichte Studie des Zentrums für Kulturforschung (Zur Chronologie von MIXED UP, Keuchel 2011) liefert diesbezüglich ermutigende Daten: Der Wettbewerb MIXED UP wird in der Praxis gut angenommen. Mit dem Bekanntheitsgrad ist auch die Anzahl der Wettbewerbsteilnehmer stetig gestiegen. Eine Vielfalt künstlerischer Sparten sowie ein breites Spektrum beteiligter Kooperationspartner und Projektprofile kennzeichnen vor allem die jüngsten Wettbewerbsjahrgänge. Immer mehr Kooperationen weisen einen Bezug zu regulären Unterrichtsfächern auf und werden fächerübergreifend in den Schulalltag integriert. Wir sind also auf einem guten Weg, den es weiter zu beschreiten gilt, um auf Politik- wie Praxisebene für ein Mehr an Kultureller Bildung in Schulen zu werben. Dies tun wir 2012 mit einem besonderen Interesse für Kulturkooperationen im ländlichen Raum mit dem Sonderpreis KulturLand und freuen uns auf zahlreiche Wettbewerbsbeiträge!

Die Fragen für kulturstimmen stellte Theresa Brüheim, Deutscher Kulturrat.

REDAKTION Stefanie Ernst | Hinterlasse einen Kommentar

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