Im Diskurs mit dem Islam: muslimische-stimmen.de

muslimische-stimmen.de ist seit 2005 eine unabhängige Plattform für den Diskurs zum Islam. Hierbei wird der Begriff Muslim nicht von den Initiatoren der Webseite vordefiniert, sondern zentrales Ziel des Projektes ist die Wiederaneignung der eigenen muslimischen Identität. Dabei sind nicht nur Muslime, sondern auch Nicht-Muslime zur aktiven Beteiligung aufgerufen. Im heutigen Kurzinterview gibt uns Clémence Delmas einen Einblick in die Arbeit von muslimische-stimmen.de.

kulturstimmen: Was genau ist muslimische-stimmen.de?

Clémence Delmas: Die 2005 gegründete Webseite muslimische-stimmen.de ist eine unabhängige Plattform für Menschen mit unterschiedlichen religiösen und politischen Überzeugungen, Muslime wie Nicht-Muslime. Das Webprojekt bietet Studenten, Imamen, Hausfrauen, Schülern, Politikern oder Wissenschaftlern die Möglichkeit, sich offen zu Islam- und gesellschaftsbezogenen Themen auszutauschen und ihre Ängste und Hoffnungen zu äußern. Persönlichen Erfahrungen sowie Projekten wird eine spezielle Kategorie gewidmet.

kulturstimmen: Von wem wird das Projekt getragen?

Clémence Delmas: Das Projekt ist religiös und politisch unabhängig. Die Redaktion, die lediglich eine Moderationsrolle hat, besteht aus derzeit acht Mitgliedern mit unterschiedlichen Weltanschauungen, die mehrheitlich einen sogenannten „muslimischen Hintergrund“ haben. Praktikanten helfen punktuell mit. Das Projekt wurde mehrmals prämiert, darunter 2006 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz und 2010 von der Deutschen Islamkonferenz. Aber der Großteil des (kleinen) Budgets wird von den Mitgliedern privat getragen.

kulturstimmen: muslimische-stimmen.de hat den Anspruch ein friedensstiftendes Projekt zu sein. Welche Erfolge konnten auf dem Weg zu dieser Zielsetzung bisher erreicht werden?

Clémence Delmas: Das Projekt gibt vielen Muslimen bzw. als solchen betrachteten Menschen eine Stimme. Das stiftet natürlich sozialen Frieden, denn sie können sich auf der Website frei äußern und in ihrer Vielfalt anerkannt fühlen. Regelmäßig bekommen wir auch E-Mails und Kommentare, die uns zeigen, dass die Beiträge einzelne Menschen in ihrer intellektuellen und emotionalen Entwicklung vorantreiben. Nicht-Muslimen wird auf der Website ein anderes, komplexeres Bild von deutschen Muslimen vermittelt als in anderen Medien. Unser Erfolg ist also vor allem auf der individuellen Ebene zu sehen. Die Kategorie „Projekte“ fördert außerdem die Vernetzung und den Wissenstransfer unter zivilgesellschaftlichen Akteuren. Sie zeigt, dass Muslime sich aktiv in der Gesellschaft engagieren. Davon kann die Demokratie nur profitieren.

kulturstimmen: Meinungsaustausch geht nicht immer mit Konfliktlosigkeit einher. Wie geht muslimische-stimmen.de mit Kontroversen, Vorurteilen oder sogar rassistischen Anfeindung auf der eigenen Webseite um?

Clémence Delmas: Konfliktlosigkeit ist langweilig! Auf muslimische-stimmen.de wird ein konstruktiver Austausch gefördert, wobei die Redaktion sich manchmal mehr Kontroverse und Kritik wünschen würde. Nur Hassparolen werden zensiert, denn sie bringen die Diskussion nicht weiter. Die Redaktion bekommt aber ganz selten rassistische Anfeindungen. Vorurteile werden abgebaut, indem die Besucher zum Kommentieren der Beiträge eingeladen werden. Der Autor des Beitrags kann dann Stellung zu den Kommentaren nehmen. So wird der Austausch um konkrete Fragen gefördert.

kulturstimmen: Wie trägt muslimische-stimmen.de zu kultureller Vielfalt in Deutschland bei?

Clémence Delmas: Indem die Website ganz einfach das alltägliche Leben und die gewöhnlichen Gedanken von Menschen aufzuzeigen versucht…

Die Fragen für kulturstimmen stellte Theresa Brüheim, Deutscher Kulturrat.

REDAKTION Stefanie Ernst | Hinterlasse einen Kommentar

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