Eine erste Bilanz: Kulturagenten

©Tim Schenkl / Forum K&B GmbH.

Ab dem Schuljahr 2011/12 sind an 138 Schulen in fünf Bundesländern über den Zeitraum von vier Jahren insgesamt 46 Kulturagentinnen und Kulturagenten tätig. Ziel des Programms „Kulturagenten für kreative Schulen“ ist es, Kinder und Jugendliche nachhaltig für Kunst und Kultur zu begeistern und somit ihre Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. „Kulturagenten für kreative Schulen“ ist ein Modellprogramm der gemeinnützigen Forum K&B GmbH. Im heutigen Kurzinterview zieht Kristin Bäßler, Verantwortliche für Kommunikation der Forum K&B GmbH, ein erstes Fazit des Programms.

kulturstimmen: Welche Idee steht hinter dem Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“?

Kristin Bäßler: Das von der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Mercator initiierte und geförderte Modellprogramm „Kulturagenten für kreative Schulen“ zielt darauf ab, Kinder und Jugendliche nachhaltig für Kunst und Kultur zu begeistern und ihnen die kreative Auseinandersetzung mit den Künsten in der Schule und in Kulturinstitutionen zu ermöglichen. Dadurch soll ihnen die Chance eröffnet werden, künftig Akteure einer kulturinteressierten Öffentlichkeit zu werden. Um die Künste im Alltag von Kindern und Jugendlichen fest zu verankern, werden die Schulleitung, Lehrer, Schüler und Eltern der an dem Programm beteiligten Netzwerkschulen gemeinsam mit einem Kulturagenten künstlerische Formate und kulturelle Projekte entwickeln, die auf die Bedarfe, Interessen und Rahmenbedingungen der Schulen und Regionen zugeschnitten sind. Gemeinsam werden sie Brücken sowohl zwischen den Netzwerkschulen untereinander als auch modellhafte Kooperationen mit den vor Ort ansässigen Kulturinstitutionen wie beispielsweise Museen, Konzerthäusern, Bibliotheken, Theatern und Kulturzentren aufbauen.

kulturstimmen: Wie sieht ein idealtypischer Kulturagent aus und wie gelingt es diesem, Neugier sowie nachhaltiges Interesse für Kunst und Kultur bei Schülern zu wecken?

Kristin Bäßler: Der idealtypische Kulturagent ist Impulsgeber, Netzwerker und Moderator in einer Person. 46 dieser Kulturagenten sind seit diesem Schuljahr in den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Thüringen und Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Für die Umsetzung des Programms war es wichtig, Männer und Frauen zu finden, die sowohl Schulen als auch Kunst- und Kulturinstitutionen sehr gut kennen und in der Lage sind, beide Systeme stärker miteinander zu verbinden. Viele der Kulturagenten haben zudem einen eigenen künstlerischen Hintergrund beispielsweise als bildende Künstler, Regisseure, Bühnenbildner oder Fotografen und haben bereits in zahlreichen kulturellen Vermittlungsprojekten mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Ein wichtiges Element des Programms ist es, dass die Kulturagenten die Schüler mit in die Entwicklung der künstlerischen Projekte einbeziehen. Die Vorstellung der Kinder und Jugendlichen von Kunst und Kultur sowie ihre Kreativität sollen wesentliche Bestandteile der künstlerischen Projekte werden. Dieser partizipativen Arbeit liegt die Idee zugrunde, dass durch das eigene Gestalten die Neugierde und das Engagement von Kindern und Jugendlichen nachhaltig geweckt werden. Dieser Aspekt sowie die Erfahrung der Schüler, Teil eines professionellen künstlerischen Prozesses zu sein und in den Kulturinstitutionen hinter die Kulissen schauen zu können, sind zentrale Bestandteile des Programms.

kulturstimmen: Nach welchen Kriterien wurden am Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“ teilnehmende Schulen und Kulturinstitutionen ausgewählt?

Kristin Bäßler: In den fünf Bundesländern konnten sich interessierte Schulen in einem Netzwerk aus drei Schulen um die Teilnahme an dem Programm bewerben. Angesprochen waren in erster Linie Sekundarschulen, die die Motivation haben, sich als gesamte Schule für vier Jahre mit einem Kulturagenten auf den Weg zu machen, Kunst und Kultur in den Schulalltag zu verankern und langfristige Kooperationen mit Kulturinstitutionen einzugehen. Ein Gremium aus Vertretern der Stiftungen, der beteiligten Landesministerien, der Forum K&B GmbH sowie der Kooperationspartner haben dann in den fünf Bundesländern insgesamt 138 Schulen ausgewählt. Bei der Auswahl der Schulen war es nicht in erster Linie wichtig, dass die Schulen bereits ein künstlerisch-kulturelles Profil aufweisen konnten, sondern vielmehr der Wunsch, das kulturelle Angebot an ihren Schulen für ihre Schüler auf- und auszubauen. Kulturinstitutionen selber konnten sich nicht direkt für das Programm bewerben. Der Kontakt zu den Kulturinstitutionen erfolgt über die Schulen und Kulturagenten sowie über die Kulturinstitutionen, die in den Schulen ihr künftiges Publikum erreichen und daher an einer Zusammenarbeit mit einer der teilnehmenden Schulen in ihrer Umgebung interessiert sind. Konkrete Kooperationen gibt es beispielsweise mit einem Berliner Schulnetzwerk aus dem Märkischen Viertel und dem Berliner Bode-Museum oder einem Schulnetzwerk aus Oberhausen mit dem Theater Oberhausen, um nur zwei zu nennen.

kulturstimmen: Wie sind die ersten Resonanzen von Kulturagenten, Kulturinstitutionen, Lehrern, Eltern und besonders von Schülern auf das Programm?

Kristin Bäßler: Die Resonanz der Schulen ist sehr positiv. Die Lehrer, Schüler und Eltern der beteiligten Schulen freuen sich sehr, teilnehmende Schule des Programms zu sein und damit verbunden für vier Jahre jemanden an ihrer Seite zu haben, der sie in der Entwicklung künstlerischer Projekte begleitet und berät, der Kontakte zu Künstlern und Kulturinstitutionen herstellt sowie Kooperationen aufbaut. Viele der Schulen machen bereits seit Jahren sehr gute künstlerische Projekte und haben exzellente Musik-, Kunst- und Theaterlehrer. Diese Projekte und Profile strukturell weiterzuentwickeln ist für viele Schulen sehr wichtig. Andere Schulen sehen vor allem in der Vernetzung mit ihren jeweiligen Partnerschulen und den Kulturinstitutionen eine Chance, voneinander zu lernen, gemeinsame Projekte zu initiieren und als künstlerisch-kulturelles Netzwerk in ihrer Stadt oder im Stadtteil stärker sichtbar zu werden. Auch die Reaktionen der Schüler sind sehr positiv. So berichten viele der Kulturagenten, dass die Schüler sehr stolz darauf seien, einen „eigenen“ Kulturagenten an ihrer Schule zu haben, mit dem sie ihre künstlerischen Ideen besprechen und umsetzen können.

kulturstimmen: Wie erfolgt eine Evaluation des Erfolges und der Nachhaltigkeit des Programms „Kulturagenten für kreative Schulen“?

Kristin Bäßler: Eine Nachhaltigkeit des Programms herzustellen ist uns sehr wichtig. An diesem Ziel werden wir in den kommenden vier Jahren mit allen Beteiligten strukturiert arbeiten. Wichtig für den Erfolg des Programms ist, dass es gelingt, Strukturen zu schaffen und Kooperationen aufzubauen, die über die Modellphase hinaus bestehen. Damit das Potenzial guter künstlerischer Projekte sichtbar wird, legt das Programm großen Wert sowohl auf die künstlerische Qualität der Projekte, als auch auf die nachhaltige Zusammenarbeit zwischen den Schulen untereinander und mit den vor Ort ansässigen Kulturinstitutionen. Dafür ist es notwendig, stabile Netzwerke aufzubauen, so dass die Zusammenarbeit beispielsweise mit dem Theater, der Musikschule, dem Museum oder einem Künstler eine aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenkende Normalität geworden ist. Um diese Ergebnisse des Modellprogramms zu sichern und auszuwerten, wird das Programm evaluiert werden. Zudem hat jede Schule einen Lehrer, einen sogenannten „Kulturbeauftragten“ benannt, der auch nach Ende des Modellprogramms „kulturelle Lobbyarbeit“ für seine Schule betreiben wird. In Berlin werden die Kulturbeauftragten zum Beispiel von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (Berliner Landesbüro des Modellprogramms „Kulturagenten für kreative Schulen“) sowie dem Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) bei der Umsetzung der Programmziele unterstützt. Dafür wird gemeinsam ein Qualifizierungsangebot entwickelt, das bedarfsgerechte Weiterbildungsmodule für die Kulturbeauftragten vorsieht.

Das Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“ ist ein Modellprogramm der gemeinnützigen Forum K&B GmbH, initiiert und gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Stiftung Mercator in den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V., conecco UG – Management städtischer Kultur und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Die Fragen für kulturstimmen stellte Theresa Brüheim, Deutscher Kulturrat.

REDAKTION Stefanie Ernst | Hinterlasse einen Kommentar

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