Wie steht es um die Bildenden Künstlerinnen und Künstler in Deutschland?

M.E. / pixelio.de

Die jüngste Umfrage des Bundesverbandes Bildender Künstler und Künstlerinnen (BBK) gibt Aufschluss zur sozialen und wirtschaftlichen Lage dieser Berufsgruppe. Die Ergebnisse werden in einer gerade veröffentlichten Publikation dokumentiert und analysiert. Werner Schaub, Bundesvorsitzender des BBK, beantwortet im heutigen Kurzinterview Fragen zur Umfrage.

kulturstimmen: Wann wurde die Befragung zur wirtschaftlichen und sozialen Situation Bildender Künstlerinnen und Künstler zum ersten Mal durchgeführt? Wie viele Umfragen führte der BBK seitdem durch?

Werner Schaub: 1994 fand die erste Umfrage statt. Es folgten in den Jahren 1998, 2005, 2008 und nun 2011 weitere Umfragen, jeweils ergänzt um einen spezifischen Zusatzaspekt. So war es zum Beispiel im Jahr 2005 die Frage, ob sich die Bedingungen der Bildenden Künstlerinnen von denen ihrer männlichen Kollegen unterscheiden. Im Jahr 2008 widmete sich der Zusatzaspekt der Frage, wie sich die Situation für Künstlerinnen und Künstler im Alter gestaltet. In der aktuellen Publikation aus diesem Jahr gilt der Zusatzaspekt dem Thema „Integration und Migration“ und ermittelte dadurch Erkenntnisse zur Frage, ob Kunst ein Integrationsfaktor sein kann.

kulturstimmen: Welche Tendenzen sind bei der wirtschaftlichen und sozialen Situation Bildender Künstlerinnen und Künstler festzumachen?

 

Schaub: Es ist festzustellen, dass sich die Situation nicht verbessert, sondern eher verschlechtert hat. Der Durchschnittswert der Einkünfte aus künstlerischer Arbeit lag im Jahr 2008 bei 6.043 €, im Jahr 2009 sank er auf 5.457 € und im Jahr 2010 weiter auf 5.346 €. Mehr als zwei Drittel der Befragten, 68,2 %, verdienen weniger als 5.000 € im Jahr, wobei in dieser Gruppe der sogenannte Mittelwert lediglich 1.362 € betrug. In der Gruppe derjenigen (15,9 % der Befragten), die bis zu 10.000 € durch den Verkauf von Kunst erzielen, liegt der Mittelwert auch nur bei 6.634 €. Beide Gruppen machen 84,3 % der Befragten aus. Knapp 90 % der Künstlerinnen und Künstler sind deshalb auf weitere Quellen zur Finanzierung ihres Lebensunterhaltes angewiesen.

kulturstimmen: Gibt es auffällige Veränderungen im Vergleich zur zuletzt durchgeführten Umfrage?

 

Schaub:In den unteren Einkommensgruppen sind weiter sinkende Tendenzen zu beobachten. In einzelnen anderen Bereichen können auch leicht ansteigende Entwicklungen festgestellt werden, so zum Beispiel im Bereich Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum.

kulturstimmen: Welche Schlüsse zieht der BBK anhand der Ergebnisse für seine künftige Arbeit?

 

Schaub: Neben vielen anderen Aspekten seien folgende beispielhaft hervorgehoben:

  • Der BBK wird weiterhin die Künstlersozialkasse gegen jedwede Angriffe verteidigen und geht von der Unterstützung durch wesentliche Teile des Deutschen Bundestages aus.
  • Der BBK wird weiterhin für eine urheberrechtliche Regelung einer Ausstellungsvergütung streiten und engagiert sich bis zu deren Realisierung um eine verbindliche Verpflichtung zur Berücksichtigung von Ausstellungsvergütungen in vom Bund geförderten Ausstellungsprojekten.
  • Der BBK fordert eine Verbesserung der Ateliersituation in den Kommunen durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten für Atelierprogramme.
  • Der BBK plädiert bezüglich der gravierenden Probleme bei ALG II-Bezügen von Künstlerinnen und Künstler für eine Ausdehnung des sogenannten Berliner Modells auf andere Bundesländer, besonders in den Ballungsräumen. In diesem Modell stehen in den Jobcentern hinsichtlich des Berufsbilds bildender Künstlerinnen und Künstler besonders geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Beratung und Lösung der spezifischen Probleme zur Verfügung.

Die Publikation zur Umfrage kann gegen eine Verwaltungsgebühr von 8 € bezogen werden von:
BBK – Bundesverband
Wilhelmstr. 50
10117 Berlin
Tel. 030–2640970
Fax 030–28099305
info@bbk-bundesverband.de

Über das Symposion „Wie leben Sie? Was macht die Kunst?“ vom 12. November 2011 in Berlin, auf dem die Studie vorgestellt und durch Referate einzelne Aspekte vertieft wurden,  erscheint voraussichtlich Anfang Dezember eine Dokumentation. Sie kann unter obiger Adresse bestellt werden.

Das Interview führte Andrea Wenger.

 

 

REDAKTION Andrea Wenger | 1 Kommentar
  1. Unsere Kunstschaffenden befinden sich in einer schlechten Situation!
    Ursachen: Stetiges Bemühen um Einzelstellung,Bilder-, Ausstellungs- und Informationsflut,ständige Unruhe,das Kaufverhalten der jüngeren Generationen hat sich geändert ( Beziehung zum Werk), inflationäres Marktangebot, verschiedenste Anbieter, Qualitätsunterscheidung ist oft mangelhaft, Stellung des Künstlers-rin in der Gesellschaft, Problem der Anerkennung .–

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