Multikultur, Interkultur, Transkultur: Normalität

Abendveranstaltung bei CrossKultur 2010 - voller Erfolg

In welche Kultur leben wir eigentlich? Sind wir trans-, inter-, oder allen Abgesängen zum Trotz immer noch multikulturell? Theoretiker arbeiten sich an den Begrifflichkeiten ab, um die Lage der Nation zu beschreiben und unsere Kultur, unsere Kulturen auf einen vieldimensionalen Nenner zu bringen. Gelebte kulturelle Vielfalt ist oftmals viel lebensechter. Ein Beispiel: die Veranstaltungsreihe CrossKultur in Berlin, Tempelhof-Schöneberg.

kulturstimmen: Was verbirgt sich hinter der Veranstaltungsreihe „CrossKultur2011“?

Gabriele Gün Tank: Multikultur, Interkultur, Transkultur – mit diesen Schlagwörtern wird heute ein Zustand beschrieben, der vielerorts „Normalität“ geworden ist. Deutschland ist vielfältig. CrossKultur ist eine Veranstaltungsreihe, die zwischen dem Tag der Toleranz (16.11.) und dem Internationalen Tag der Migranten (18.12.) stattfindet. Es wird ein differenziertes Programm u. a. mit Lesungen, Musik, Bühnenprogramm, Ausstellungen und Kino angeboten. Über 40 Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten im Bezirk statt. CrossKultur ist ein ausgewogenes Konzept von professionellen Beiträgen überregional bekannter Künstler/innen sowie Beiträgen aus dem Alltagsleben der lokalen Kulturpraxis. Ein integraler Bestandteil sind die öffentlichen Diskussionen und Fachgespräche.

kulturstimmen: Welches Anliegen, welche Ziele sollen mit „CrossKultur2011“ erreicht werden?

Tank: Ziel ist es, der wandelnden gesellschaftlichen Realität nachzuspüren, in der die unterschiedlichsten Identitäten einen Platz haben und einen Blick auf neu entstehende kulturelle Ausdrucksformen zu werfen. Diversität als „Normalfall“ in Kunst und Kultur wahrzunehmen und gleichzeitig Einblick in vorhandene Projekte und Einrichtungen geben.

CrossKultur bietet niedrigschwellige, aber auch hochwertige Angebote für die Bürger/innen des Bezirks mit und ohne Migrationshintergrund. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit mit Migrantenvereinen und -organisationen.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Ermunterung der Bürger/innen zur aktiven Teilhabe bei den Veranstaltungen, später in den Vereinen und Organisationen. Ziel bei den Mitarbeiter/innen im Bezirk ist es, einen intensiven fachlichen Austausch herzustellen.

kulturstimmen: „CrossKultur2011“ gab es bereits 2010. Wie kam es zu der Idee? Wie unterscheiden sich die Themen in diesem Jahr?

Tank: Zum ersten Mal wurde die Veranstaltungsreihe CrossKultur im Jahr 2009 durchgeführt.
Jedes Jahr findet die Reihe zwischen dem 16.11. und dem 18.12. statt. Die Reihe CrossKultur wurde von den Museen Tempelhof-Schöneberg und der Integrationsbeauftragten des Bezirks vorbereitet und ist ein Teil des bezirklichen Modellprojekts „Demographischer Wandel – Strategien für Berliner Bezirke“.

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg befindet sich in einem tief greifenden Wandlungsprozess. Knapp ein Drittel der bezirklichen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Es ist eine vielkulturelle Bevölkerung entstanden.

Dieses Jahr ist von zwei Jahrestagen geprägt, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch eng miteinander verknüpft sind: Das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei vor 50 Jahren und der Bau der Berliner Mauer vor 50 Jahren. Beides spielt mit hinein in CrossKultur. Außerdem haben wir in diesem Jahr Künstlerinnen und Künstler aus Großbritannien zu Gast.

kulturstimmen: Wer soll mit der Veranstaltungsreihe angesprochen werden? Wie war die Resonanz auf die bisherigen Veranstaltungen vom Vorjahr?

Tank: CrossKultur soll alle Bürger/innen unterschiedlicher Herkunft aus dem Bezirk, aber natürlich auch aus anderen Bezirken ansprechen. Weiterhin werden auch speziell die Mitarbeiter/innen aus dem Bezirk angesprochen, um ihre kulturelle Kompetenz und Offenheit zu erweitern. 2009 und 2010 konnten mehrere tausende Menschen erreicht werden.

In den beiden vorangegangenen Jahren haben wir nach den Veranstaltungen einen Fragebogen zur Resonanz verteilt. Dies war überaus positiv. Eine Teilnehmerin sagte z.B., nichts von der Existenz der Museen im Bezirk gewusst zu haben. Es wurden sozusagen „Unbekannte Orte“ entdeckt.

Durch Fachaustausche und Diskussionsveranstaltungen ist die Sensibilität für interkulturelle Themen gestärkt. Das Bild der im Bezirk bestehenden Kultur ist einem breiten Spektrum der Bevölkerung zugänglich gemacht worden.

Während der Durchführung der Veranstaltungsreihen CrossKultur 2009/2010 gab es viele unterschiedliche Impulse von Vereinen und Trägern für die nächste Reihe. Etliche weitere Initiativen brachten Ihren Wunsch zum Ausdruck, sich 2011 zu beteiligen.

In diesem Jahr haben wir auch größere Stiftungen, wie die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung gewinnen können. Das British Council ist ebenfalls dabei.

Gabriele Gün Tank ist Integrationsbeauftragte im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin. Das Interview führte Tatjana Gridnev.

REDAKTION Stefanie Ernst | 1 Kommentar

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