Die Grünen begehen riesigen Fehler: Kunst- und Kulturschaffende sollen geopfert werden

Grüne Netzpolitik in der Kritik

Deutscher Kulturrat fordert Umdenken in Urheberrechtsfragen bei Bündnis 90/Die Grünen

Berlin, den 25.11.2011. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, ruft die Delegierten der Bundesdeligiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen zum Umdenken in ihrer zukünftigen Urheberrechtspolitik auf. An diesem Wochenende wird auf der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen über den Leitantrag zur Netzpolitik diskutiert. Aus Sicht des Kulturbereichs sind die Passagen zum Urheberrecht größtenteils unhaltbar und sollten dringend überarbeitet werden.

In dem Passus zum Urheberrecht im Leitantrag wird unter anderem der Akzeptanzverlust des Urheberrechts in weiten Teilen der Bevölkerung attestiert. Statt Verstößen gegen das Urheberrecht angemessen zu begegnen, fordern Bündnis 90/Die Grünen eine Anpassung an die vermeintlichen digitalen Gegebenheiten und ein Abstandnehmen von den bisherigen Verbotsregelungen.

Gleichzeitig sollen die Schutzfristen für künstlerische Werke drastisch von 70 Jahren nach dem Tod des Künstlers auf nunmehr 5 Jahre nach der Veröffentlichung des Werkes verkürzt werden. Dies stellt einen gravierenden Einschnitt in die Rechte der Kunst- und Kulturschaffenden dar. Diese Regelungen würden bei Umsetzung zu massiven Einkommensverlusten von Kunst- und Kulturschaffenden führen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: “Ich bin entsetzt, wie Bündnis 90/Die Grünen in ihrem Leitantrag zur Netzpolitik mit Kunst- und Kulturschaffenden umgehen. Die Grünen begehen einen riesigen Fehler: Sie opfern Kunst- und Kulturschaffende zugunsten der vermeintlichen Interessen von Internetnutzern. Die vorgeschlagenen neuen Regelungen, wie die massive Absenkung der Schutzfristen für künstlerische Werke, stehen diametral zu der wortreich beschworenen Wertschätzung der Urheber. Der Kultur- und Kreativwirtschaft wird durch die vorgeschlagene neue Netzpolitik von Bünsnis90/Die Grünen der wirtschaftliche Boden entzogen. Die Grünen sind dringend aufgefordert, ihre Netzpolitik radikal zu überdenken!”

Der Deutsche Kulturrat vertritt als Spitzenverband der Bundeskulturverbände die Interessen von Künstlern und Kulturschaffenden, der Kulturwirtschaft und den Nutzern von Kultur aus dem Kulturbereich gleichermaßen. Er ist spartenübergreifend aufgestellt und in seinen acht Sektionen sind 234 Bundeskulturverbände Mitglied.

REDAKTION Stefanie Ernst | 3 Kommentare
  1. Ich glaube nicht, dass Herr Zimmermann hier alles so ganz richtig liest. Ich habe schwere Bedenken, dass die Kulturleute wirklich irgendwann auch rechtlich abgehängt werden, wenn sie nicht selbst die Herausforderungen der veränderten Bedingungen der Distribution von Kunst und ihren Stellenwert im ganzen System annehmen, sondern sich schütteln lassen.

    Und zwar von allen Seiten: Den Lobbyverbänden, der Industrie, den Parteien, den Nutzern und den Ideologen aus der Kaiserzeit in ihren eigenen Reihen.

    Nein, nicht die Grünen müssen sich ändern, sollen die doch machen, was sie für richtig halten, es ist eine Partei. Sondern die Kulturschaffenden müssen sich ändern. Statt auf ihren 70 Jahren zu sitzen und den Rest den Rechenmaschinen in den VGs zu überlassen. Aber dazu muss man eben die Kulturfragen offen führen. Es ist nämlich wirklich nicht alles Kultur, was glänzt. Entweder man sieht das ein oder geht zurück auf “Jeder Mensch ein Künstler” – so, dann möchte ich bitte aber auch diesen Kommentar hier vergütet bekommen haben. Irgendwie ist es ja auch Literatur, eine Glosse vielleicht sogar (wird besser honoriert).

    Denn sonst wird mir zukünftig der Anreiz fehlen, mich zu beteiligen. ;)
    (Ist ja die Haltung des des Deutschen Komponistenverbandes: Ohne finanziellen Anreiz keine Kultur, ne?)

  2. Pingback: Die Grünen gegen das Urheberrecht

  3. Pingback: Linksammlung: Urheberrecht, aktuelle Debatte

Kommentar hinterlassen