Zeichnung trifft Musik in Oldenburg

Projekt "Wasser - Quelle der Musik" von Edda Akkermann in Zusammenarbeit mit SchülerInnen des Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte; Foto: Elke Deeken

Gestern wurde in Oldenburg das 3. Zeichenfestival „ausgezeichnet“ eröffnet, welches noch bis Freitag läuft. Was genau wird geboten? Stefanie Ernst sprach darüber mit der Leiterin des Festivals Anna Zosik.

kulturstimmen: Was genau wird vom 11. bis zum 14. Oktober in Oldenburg veranstaltet?
Anna Zosik: Vom 11.-14. Oktober wird das 3. Oldenburger Zeichenfestival stattfinden. Hier ist die Kunstschule Oldenburg Veranstalter des Festivals. Diesmal unter dem Motto Zeichnung trifft Musik“. In der Woche werden die Arbeiten der Jugendlichen aus den vorangegangenen Wochen in Form einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Im Vorfeld des Festivals haben Künstler aus Oldenburg, Mannheim und Berlin mit Oldenburger Jugendlichen zusammengearbeitet. Auch Studenten der Universität Oldenburg haben eigene Beiträge entwickelt, die in der Festivalwoche zusammen mit den anderen Arbeiten gezeigt werden. Neben Zeichnungen, Videofilmen und Toninstallationen werden Performances zu sehen und zu hören sein. Einer unserer Kooperationspartner klangpol/Neue Musik im Nordwesten hat zwei Aufführungen vorbereitet, die im Staatstheater präsentiert werden.

kulturstimmen: ausgezeichnet! vereint Bildende Kunst und Musik in einem Festival. Stehen beide Kunstsparten dabei gleichberechtigt nebeneinander oder dominiert die Kunst des Zeichnens?
Zosik: Wir haben zum Festival KünstlerInnen eingeladen, die „von der Zeichnung kommen“ aber gleichzeitig bereits mit Musik gearbeitet haben. Das war ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der KünstlerInnen. An dieser Stelle sollte man dazu sagen, dass Musik als ein sehr weit gedehnter Begriff zu verstehen ist. Bei „Zeichnung trifft Musik“ geht es mehr um Klänge, Geräusche also um akustische Signale im weitesten Sinne als um klassische Melodie. Die einzelnen Projekte gehen damit sehr unterschiedlich um. Bei den Performances, die eine temporäre, konzertante Form haben, ist Zeichnung und Musik „gleichberechtigt“. Bei den anderen Projekten steht wiederum die Zeichnung im Vordergrund. Bei unserem Partner Klangpol wird sicher die Musik die Hauptrolle spielen. Die Stücke, die extra für das Festival erarbeitet wurden, kenne ich allerdings nicht und bin selbst schon sehr gespannt, wie hier die Zeichnung in Erscheinung tritt.

kulturstimmen: KünstlerInnen und Jugendliche arbeiten in Projekten des Festivals eng
zusammen. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit? Ist sie schwierig, leicht?
Zosik: Die Arbeit gestaltet sich vielfältig mit allen Höhen und Tiefen, die dazu gehören. ausgezeichnet!, ja ein „experimentelles Projekt“. Jugendliche werden daher oft mit Aufgaben und Ideen konfrontiert, die sie so bis jetzt nicht kennen. Sie sind gleichzeitig aufgefordert, ihre eigenen Ideen zu entwickeln. Das stellt alle Seiten vor eine große Herausforderung – die Jugendlichen sowie auch die Künstler. Manche Jugendliche sind gleich begeistert, andere zuerst eher verunsichert. Bis jetzt haben wir am Ende aber immer ein sehr positives Feedback von den Jugendlichen bekommen. Und auch von den LehrerInnen. Wohl auch deswegen sind, glaube ich, viele LehrerInnen schon seit dem ersten Festival mit dabei, obwohl auch für sie die Koordinierung der einzelnen Projekte in der Schule eine extra Aufgabe ist.

kulturstimmen: ausgezeichnet! findet bereits zum 3. Mal statt und ist somit mehr als ein einmaliges Leuchtturmprojekt der kulturellen Bildung. Wodurch hebt sich ausgezeichnet! noch von den vielen, vielen Projekten in diesem Bereich ab?
Zosik: Ich kenne kein – obwohl ich ziemlich viel recherchiert habe – vergleichbares Projekt im Bereich der Bildenden Kunst. Ja, es gibt eine ganze Menge an Theater-, Musik-, Tanzfestivals für Jugendliche. Was die Bildende Kunst angeht, habe ich bis jetzt einfach nichts Vergleichbares gefunden. Wir haben das Format eines Festivals gewählt, allerdings nicht um die Eventisierung der Jugendkultur voranzutreiben, sondern wir erhoffen uns, damit folgende Ziele zu erreichen: einerseits eine größere Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für die Produktionen der Jugendlichen und für die zeitgenössische Zeichnung und andererseits ein größeres Interesse der Jugendlichen selbst an der Zeichnung und an der zeitgenössischen Kunst. Dieses Interesse ist nämlich alles andere als selbstverständlich. Und wir merken, dass es funktioniert.

Was ausgezeichnet! von anderen Kunstprojekten auch unterscheidet ist die Einladung von verschiedenen Partnern aus Oldenburg, die eigene Beiträge für das Festival entwickeln. Dieses Jahr sind es das Horst-Janssen-Museum, FB Kunst und Medien der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und KLANGPOL/Neue Musik im Nordwesten. Diese Kooperationen mit vor Ort etablierten Kulturinstitutionen sind für das Festival sehr bereichernd und für uns eine Bestätigung der künstlerischen Qualität unseres Konzeptes.

Mit dieser engen Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kulturinstitutionen und KünstlernInnen bietet die Kunstschule auch ein über Oldenburg hinausreichend einzigartiges Projekt.

kulturstimmen: Dürfen wir uns bereits jetzt auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr freuen?
Zosik: Das Festival findet alle zwei Jahre statt. Wenn wir weiterhin eine Unterstützung für die Realisierung dieses Projektes bekommen, treffen wir uns 2013 wieder. Die Ideen sind schon da. Und es wird noch spannender. Das verspreche ich. Also bis 2013.

 

Mehr zum jetzigen Festival finden Sie auf der Webseite unter: www.zeichenfestival-ausgezeichnet.de

Anna Zosik ist Festivalleiterin des 3. Oldenburger Zeichenfestivals
Stefanie Ernst ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Kulturrates

REDAKTION Stefanie Ernst | Hinterlasse einen Kommentar

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