Soziokultur vernetzt!

Stefanie Ernst: Der Tag der Soziokultur „vernetzt.“ findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Wie wurde die Idee zum Aktionstag geboren und welche Anliegen verfolgen Sie?
Ellen Ahbe: Mit dem Aktionstag wollen wir bundesweit die öffentliche Aufmerksamkeit auf das vielfältige Programm einer Kultur mit Teilhabechancen für alle Mitglieder unserer Gesellschaft lenken. Soziokultur – als Begriff oft unbekannt – ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern, ihr kulturelles und soziales Potenzial zu entfalten und ihr Lebensumfeld nachhaltig mitzugestalten. Obwohl soziokulturelle Angebote pro Jahr mehr als 24 Millionen Mal genutzt und besucht werden, findet diese Arbeit noch immer nicht die ihre gebührende Anerkennung und Förderung. Das soll sich bessern. Gerade die vielen Initiativen, die vor allem auf ehrenamtlichem Engagement fußen, brauchen mehr Unterstützung.

Die Aktionen und Veranstaltungen zum „Tag der Soziokultur“ vor Ort sollen regional Impulse geben und soziokulturelle Themen und Forderungen in den aktuellen politischen Debatten platzieren. 70 % unserer Mitgliedszentren hatten in der Vergangenheit und haben gegenwärtig finanzielle Schwierigkeiten. Dem gegenüber gibt es eine Reihe von positiven Auswirkungen von soziokultureller Arbeit für unsere Gesellschaft. Soziokulturelle Zentren sind zum Beispiel als äußerst effizient arbeitende Kulturwirtschaftsbetriebe auch Beschäftigungsträger. Sie bieten Bühnen für NachwuchskünstlerInnen. Sie sind nach wie vor Kommunikationszentren für viele unterschiedliche Gruppen. Die Akteure fördern in ihren Projekten den generationenübergreifenden und interkulturellen Dialog. Die Liste der Beiträge ließe sich fortsetzen.

Das Vorhaben, einen Aktionstag für die Soziokultur zu initiieren, haben wir im Mai 2010 auf der Mitgliederversammlung beschlossen. Wir freuen uns sehr, dass unser Aktionstag auch auf Bundesebene Anerkennung findet und einmalig vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages gefördert wird.

Ernst: Was genau verbirgt sich hinter dem Motto „vernetzt.“?
Ahbe: Mit dem wechselnden Motto des Aktionstages wollen wir jeweils eines der typischen Merkmale der Soziokultur herausstellen. Das diesjährige Motto weist darauf hin, dass die Soziokultur proaktiv Kooperationen mit anderen künstlerisch, kulturell, politisch oder pädagogisch arbeitenden Initiativen und Organisationen sowie mit Bildungseinrichtungen anstrebt und zahlreich realisiert. Knapp 15.000 der 84.000 Veranstaltungen fanden bspw. im Jahr 2009 als Kooperationen statt.
Neben der gesellschaftlichen Verknüpfung von Soziokultur geht es uns diesmal aber auch um die Chancen und Auswirkungen der virtuellen Vernetzung. Zum AUFTAKT am 12.10.11 im Berliner Pfefferwerk und im Workshop „soziokultur 2.0“ am Vortag wollen wir diskutieren, ob sich die Bedeutung von Räumen – vor allem für Kulturarbeit – unter dem Einfluss von Social Media & Co geändert hat. Wir wollen uns weiterbilden und auch Rückschlüsse ziehen, ob und wie sich die Anforderungen und Gegebenheiten für soziokulturelle Zentren in Zukunft ändern werden.

Ernst: Gibt es besondere Veranstaltungen am 13. Oktober?
Ahbe: Einen Überblick gibt www.tag-der-soziokultur.de. Sie finden hier zum Beispiel das Abschlussfest des interkulturellen Monats „Hier in Linden II“, das den Ausklang eines gelungenen Projekts zur Stärkung kultureller Identität und Vielfalt markiert neben vielen weiteren Konzerten, Filmvorführungen, politischen Aktionen, Ausstellungseröffnungen …
Auf Bundesebene laden wir zur Auftaktveranstaltung am 12. Oktober von 17 bis 20 Uhr in das Berliner Pfefferwerk, Schönhauser Allee 176, ein! Unter unseren Gästen begrüßen wir VertreterInnen des Fonds Soziokultur, des Deutschen Kulturrats, der Kulturpolitischen Gesellschaft und des Deutschen Bundestags sowie KollegInnen unserer Mitgliedseinrichtungen und Landesverbände. Wir hoffen sehr, dass auch viele der NutzerInnen unserer Einrichtungen kommen werden.

Ernst: Wie können sich Interessierte beteiligen?
Ahbe: Die Website eröffnet viele Möglichkeiten, aktiv zu werden: Mit seinem Porträtfoto und einem kurzen Statement kann Mann oder Frau sich vor oder hinter die Idee der Soziokultur stellen. 13 richtige Antworten beim Quiz ermöglichen noch bis zum 12. Oktober, 14 Uhr die Teilnahme an der Verlosung. Der Hauptpreis ist ein Besuch des TFF, des 22. Tanz- und Folkfests in Rudolstadt für zwei Personen inkl. Fahrt- und Übernachtungskosten. Das größte Folk-Roots-Weltmusik-Festival Deutschlands wird vom 5. bis 8. Juli 2012 stattfinden. Darüber hinaus warten 150 Wundertüten, die in den Landesverbänden und Zentren „soziokulturell“ gefüllt wurden, auf ihre GewinnerInnen. Auf der Website im Servicebereich stehen diverse Materialien zur Verfügung – Typologo, Plakat, Flyer, Pressetexte -, geeignet für Veröffentlichungen per Print und Web. Alle diese „Bausteine“ können genutzt und weiter entwickelt werden – eine Fotosession im Kulturzentrum oder eine Quizrunde beim Treff mit FreundInnen …
Unterstützen kann man den Aktionstag auch durch eine Spende in Höhe von 13,10 Euro, die man in den Hut auf der Website wirft ;-) Flankierend dazu kann das Programm auf facebook kommentiert und vor allem weiter empfohlen werden.

Ernst: Wie ist die bisherige Resonanz auf den Aktionstag in den Medien? Ist Soziokultur ein Thema, das von den Medien aufgegriffen wird?
Ahbe: Das lässt sich noch nicht abschließend sagen. Sehr originell hat unser niedersächsischer Landesverband den „Tag der Soziokultur“ vorbereitet: In einer Aktion im Landtag werden die Landtagsabgeordneten nach Worten gefragt werden, die für sie „Heimatbilder“ sind. Der Künstler Burkhard Scheller fügt die Antworten dann als „geflügelte Worte“ zu einer Skulptur zusammen. Derartige Aktionen sind natürlich medienwirksam.

Ellen Ahbe ist Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V.
Stefanie Ernst ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Kulturrates e.V.

REDAKTION Stefanie Ernst | 1 Kommentar
  1. Gerade die vielen Initiativen, die vor allem auf ehrenamtlichem Engagement fußen, brauchen mehr Unterstützung.

    Mehr bleibt da nicht zu sagen :)

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