Nachgefragt: Kurzinterview der Woche Projekt “Kunst kann man nicht essen”

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Im Rahmen des Projekts „Kunst kann man nicht essen“ wird die junge Künstlerin Laura Vogler mehrer Monate lang von Marike Strucke und ihrer Kamera begleitet. Das Projekt verschafft spannende Einblicke in den Alltag einer Künstlerin. Der erste Teil der Dokumentation wurde bereits ausgestrahlt (siehe Film oben). Grund genug, um bei Marike Strucke, der Autorin und „Kamerafrau“ von „Kunst kann man nicht essen“, nachzufragen….

Stefanie Ernst: Wie kam es zu dem Projekt „Kunst kann man nicht essen“?
Marike Stucke: Meine Freundin Laura Vogler ist Künstlerin und ich hatte bei ihr schon länger beobachtet, wie schwer es ist, auf dem Hamburger Kunstmarkt Fuß zu fassen. Mir hat imponiert, dass sie trotz geringem Erfolg dabei bleibt. Seit über einem Jahr stellt sie Bilder in verschiedenen Ausstellungen aus – und hat dabei erst drei Bilder verkaufen können. Für meine Masterarbeit an der Hamburg Media School wollte ich die Möglichkeiten der Neuen Medien nutzen. Eine Web-TV-Serie über Laura Vogler schien mir dabei am interessantesten. Denn es gibt eine Geschichte in mehreren Episoden über sie zu erzählen, die nicht nur Künstler, sondern auch andere Menschen betrifft: Wie verwirkliche ich meinen Traum?

Ernst: Im Rahmen des Projekts werden Sie die in Hamburg lebende Künstlerin Laura Vogler drei Monate lang mit der Kamera begleiten. Was sind Ihre ersten Erfahrungen?
Stucke: Für mich ist die Welt der Künstler noch recht neu, denn ich komme aus einer ganz anderen Richtung. Durch das Projekt muss ich mich mit den alltäglichen Problemen von Künstlern in Deutschland befassen und lerne viele Menschen kennen, die ich sonst nie getroffen hätte. Dazu zählt ein Berufsberater von der Arbeitsagentur und ein Galerist aus Hamburg. Die Protagonistin selbst muss sich natürlich erst einmal daran gewöhnen, dass die Kamera immer mit dabei ist. Man muss dabei vorsichtig vorgehen, denn mit der Kamera dringe ich schließlich auch in die Privatsphäre der Künstlerin ein. Dabei kamen auch der Künstlerin selbst Fragen: Möchte ich überhaupt in die Öffentlichkeit und ist es nötig, bekannt zu sein, um tatsächlich Bilder zu verkaufen?

Ernst: Wann und wo wird die für „Kunst kann man nicht essen“ angefertigte Web-TV Serie, die als Dreiteiler konzipiert ist, zu sehen sein?
Stucke: Der erste Teil der Serie ist bereits am 12.09. auf abendblatt.de erschienen. Auch auf dem Projekt-Blog und Facebook ist das Video verlinkt oder eingebunden. Ich nutze gezielt auch Soziale Netzwerke, um das Projekt bekannter zu machen und eine Reaktion von den Nutzern zu erhalten. Die zweite Folge erscheint am 22.09. und die dritte am 02.10. Updates zur Serie gibt es auch zwischendurch immer auf Facebook und der Projekt-Seite.

Ernst: Auf der Internetseite zum Projekt sind bereits erste spannende Beiträge zu lesen. Welcher Art sind die Kommentare? Wird der mühevolle Weg hin zur „Erwerbskünstlerin“, die vielleicht eines Tages von ihrer Kunst auch entsprechend leben kann, honoriert oder gibt es auch Kommentare, die ihr Unverständnis ausdrücken?
Stucke: Bisher gab es nur wenig Resonanz auf die Beiträge auf der Projekt-Seite. Vielleicht ändert sich das jetzt, wo die erste Folge erschienen ist, aber schnell. Zumindest hoffe ich das. Schließlich sollen auch die Kommentare der Nutzer ihren Platz in einer der nächsten beiden Folgen finden. Allerdings hat die Künstlerin nach Veröffentlichung der ersten Folge bereits eine Anfrage für ihre Bilder erhalten.

Ernst: Junge Künstler brauchen oft Jahre, bis sie den Durchbruch schaffen, wenn überhaupt. Was soll das Projekt bewirken und was geschieht nach seiner Bedingung?
Stucke: Vorrangig soll das Projekt zeigen, wie schwer man es als junger Künstler in Deutschland hat. Manche Menschen stehen ja vor einem Bild in einem Museum und denken sich: „Das bisschen Gekrakel, das kann meine dreijährige Tochter auch!“ Aber mit dem Malen ist es eben nicht getan. Künstler zu sein ist viel mehr als nur das Anfertigen von Bildern. Man braucht Kontakte, man muss viel Zeit in Organisation und Akquise stecken und am Ende kommt nur selten auch etwas dabei herum. Sei es für das Konto oder die Bestätigung als Künstler.
Ich könnte mir vorstellen, in Zukunft öfter Porträts in Serienform über Berufe zu machen, die keinen klaren Ausbildungsweg wie Bäcker, Lehrer oder Polizist haben. Das kommt aber auch darauf an, wie die Resonanz am Ende des Projekts ausfallen wird.

Marike Strucke, Jahrgang 84, ist vor zwei Jahren von Berlin nach Hamburg gezogen, um an der Hamburg Media School Journalismus zu studieren. Ein großes Interesse an multimedialem Online-Journalismus und den Verbreitungsmöglichkeiten von Blogs und Social Media Plattformen gaben den Anstoß für das Web-TV-Projekt „Kunst kann man nicht essen“.
Stefanie Ernst ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Kulturrat.

REDAKTION Stefanie Ernst | Hinterlasse einen Kommentar

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