Nachgefragt: Kurzinterview der Woche “Workshop: EduDance für Pädagogen”

 

Zulu-Tanz beim Workshop

Stefanie Ernst: An wen richten sich die EduDance-Workshops?
Dr. Gertrud Kamper: An alle Pädagoginnen und Pädagogen, welche kreative und lustvolle Bewegung in ihrer Arbeit einsetzen möchten. Unabhängig von der Altersstufe, mit der sie arbeiten – unabhängig vom Fach, das sie unterrichten bzw. den Kenntnissen und Fähigkeiten, welche sie vermitteln wollen. Es werden keine tänzerischen Erfahrungen oder Kenntnisse vorausgesetzt – nur Beherrschung des jeweils eigenen Fachs/Gegenstands. Das Spektrum der Kolleginnen und Kollegen, welche davon profitieren können, reicht von KiTa-Erzieherinnen über Lehrkräfte aller Schulstufen (auch der nachholenden Schulabschlüsse) und Lerntherapeutinnen und -therapeuten bis zu Dozentinnen und Dozenten in der Erwachsenenbildung (auch der Erwachsenen-Alphabetisierung und -Grundbildung).

Ernst: Wie wird das Erlernte im Unterricht um- und eingesetzt?
Kamper: EduDance ist ein methodischer Ansatz, der in der Vermittlung jedes Unterrichtsgegenstands eingesetzt werden kann. Bewegung einzubeziehen ermöglicht selbst dort Zugänge und Verständnis, wo man mit herkömmlichen methodischen Ansätzen nicht weiterkommt – ganz allgemein vertieft und beschleunigt der Einsatz von Bewegung und Kreativität die Lernprozesse.

Im Workshop werden die Grundprinzipien der Methode erläutert und vermittelt und in Arbeitsgruppen erprobt. Es geht ausdrücklich nicht um vorbereitete Unterrichtseinheiten, nach denen dann im Unterricht gearbeitet wird – sondern das Selbstvertrauen und die Kreativität der Lehrkräfte werden gefördert: Sie wenden die zugrunde liegende Denkweise und die methodischen Prinzipien auf ihre jeweiligen Inhalte in kreativer Weise an.

Zu den angenehmen „Nebenwirkungen“ gehört, dass das Einbeziehen dieser Methode in die Arbeit allen Beteiligten Freude macht – und das bereits in den Workshops/Fortbildungen. Man sieht sowohl in den Bewegungs- als auch in den Reflexionsphasen hochkonzentrierte Kolleginnen und Kollegen, welche nach zwei Tagen harter Arbeit sagen, sie hätten noch nie in einer Fortbildung so viel Freude und Spaß erlebt.

Ernst: Für welche Kinder ist diese Art des Lernens besonders geeignet?
Kamper: Bewegung ins Lernen einzubeziehen, und das überlegt und systematisch, ist für Lernende aller Altersstufen, nicht nur für Kinder geeignet – ab Kindergarten-Alter über die Grundschule usf. bis in die Erwachsenenbildung. Am meisten profitieren Lernende jeden Alters vom Lernen in und durch Bewegung, welchen mehr abstrakte Herangehensweisen das Lernen, v.a. aber den Einstieg in ein neues Thema (unnötig) erschweren.

Ernst: Welche Philosophie steht hinter EduDance?
Kamper: EduDance – Bildung/Erziehung durch Tanz – vereint in dynamischer, integrativer Weise Inhalte und Themen von Sprachen, natur- und sozialwissenschaftlichen Fächern wie auch soziales Verhalten und Lebenspraktisches mit kreativer Bewegung und Tanz. Es ist eine kreative Lehr- und Lernmethode, die noch unter den Bedingungen der Apartheid mit der südafrikanischen Tanzkompanie Moving into Dance Mophatong (MIDM) begründet und in der Folge von David Thatanelo April weiter entwickelt wurde.

EduDance ist ein Lernweg (Methode), der leicht zugänglich ist, Freude macht und die Kreativität der Lernenden anregt. Gleichzeitig werden Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl gestärkt.

Basis ist die motorische Bewegung, wann immer möglich mit Rhythmus. Darüber hinaus können alle Sinne einbezogen werden. Die Ermunterung zur Kreativität, zum (Er)Finden verschiedenster Möglichkeiten und die Würdigung der von den Lernenden gefundenen oder entwickelten Resultate motivieren und begeistern, sie fördern das Selbst- und das Lernvertrauen. Jedes, auch das kleinste Ergebnis kann weiter entwickelt werden. Jedem Lernenden wird Wertschätzung entgegengebracht.

Ernst: Auf welche Erfahrungen mit dem Einsatz der Methode können Sie zurückblicken?
Kamper: Ich selbst bin hier nur Vermittlerin, gelegentlich Co-Dozentin. In der Arbeit und Forschung in der Alphabetisierung Erwachsener hatte ich für mich früh einen Schwerpunkt „Unterstützung bei größten Schwierigkeiten im Lernen“ gesetzt und die Wichtigkeit von Tätigkeit als auch von Kreativität für gelingende Lern- und Entwicklungsprozesse gesehen. Sofort bei der ersten Begegnung mit EduDance auf einem internationalen Kongress vor vielen Jahren habe ich erkannt, welches Potential in diesem methodischen Ansatz auch für uns hier steckt. Entsprechend bemühe ich mich, hier in Deutschland Workshops mit dem wichtigsten Vertreter von EduDance anzuregen, zu vermitteln und zu unterstützen.

Der Dozent, David Thatanelo April (B.A.) aus Südafrika, hat die Methode zunächst in seinem Studium erlernt, als Pädagoge praktiziert und war dann an der Weiterentwicklung des Ansatzes als auch an seiner Vermittlung in der Lehrerbildung in SA verantwortlich beteiligt. Alles zusammen ergibt ungefähr 20 Jahre Erfahrung in allen Bereichen von Unterrichten über Lehrerbildung bis Entwicklung. In 2010 hat er mehrere sehr erfolgreiche Vorträge und Workshops in Österreich und Deutschland gehalten.

Weitere Infos, Orte und Termine auf http://www.gertrud-kamper.de/EduDance/edudance.html

Dr. habil. Gertrud Kamper ist Pädagogin, Wissenschaftlerin, Malerin, Unternehmensgründerin
Stefanie Ernst ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei Deutschen Kulturrat

REDAKTION Stefanie Ernst | 1 Kommentar
  1. 1 | Marlis Grolms

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich suche Erfahrungsberichte – EduDance in der Alphabetisierungsarbeit.
    Vielen Dank.
    Mit freundlichen Grüßen
    M. Grolms
    Päd. Mitarbeiterin
    VHS Hildesheim gGmbH

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