Die Herausforderungen für die KSK

Uwe Fritz, Leiter der Künstlersozialkasse

Gabriele Schulz im Gespräch mit Uwe Fritz

puk: Herr Fritz, zunächst herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Aufgabe als Leiter der Künstlersozialkasse (KSK)? Welche Akzente wollen Sie mit Ihrer Arbeit setzen?
Uwe Fritz: Die Künstlersozialkasse setzt bereits die richtigen Akzente durch eine gute, zuverlässige und fachkundige Arbeit, die stets die Belange der versicherten Künstler und Publizisten wie auch der Kulturwirtschaft im Blick behält. In den letzten Jahren hat es erheblichen Zuwachs bei der Zahl der Versicherten und vor allem bei der Zahl der abgabepflichtigen Unternehmer gegeben. Dieser Zuwachs und die sich laufend ändernden Rahmenbedingungen sind eine große Herausforderung für die Künstlersozialkasse insbesondere vor dem Hintergrund abnehmender Ressourcen. Ich selbst möchte für unsere künftige Arbeit nicht voreilig Ziele formulieren, sondern mir zunächst eine zuverlässige Basis hierfür erarbeiten. Zu diesem Zweck werde ich mich jetzt innerhalb wie auch außerhalb der KSK mit den notwendigen Informationen versorgen, bestehende Erwartungen klären, unsere aktuellen Chancen und Probleme ausloten und dann kurzfristig unsere gemeinsame Arbeit ausrichten. Die Einladung des Deutschen Kulturrates, an der nächsten Sitzung seines Fachausschusses Arbeit und Soziales teilzunehmen, habe ich deswegen sehr gern angenommen. Natürlich wird es mir in erster Linie darum gehen, die Verwaltung der KSK auf die aktuellen und absehbaren Herausforderungen der Zeit auszurichten.

puk: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Herausforderungen der nächsten Zeit?
Fritz: Für die KSK als öffentlicher Verwaltung wird es weiterhin darum gehen, mit den vorhandenen Ressourcen die Durchführung des Künstlersozialversicherungsgesetzes zu optimieren. Durch den starken Zuwachs an abgabepflichtigen Unternehmen hat die Bildung von Ausgleichsvereinigungen in den letzten Jahren ganz besonders an Bedeutung gewonnen. Hier wird es darum gehen, den Ausbau der Ausgleichsvereinigungen fortzusetzen, das Verfahren zu beschleunigen und wo dies möglich ist es zu vereinfachen. Und natürlich wird die Verstetigung des Abgabesatzes auch künftig von zentraler Bedeutung für unsere Arbeit sein.

puk: Eine Frage, die immer wieder gestellt wird, ist die nach der Zahl der Versicherten und der Abgabepflichtigen. Wie meinen Sie, werden sich die Zahlen entwickeln?
Fritz: Ich gehe davon aus, dass die Zahl der abgabepflichtigen Verwerter weiterhin steigen wird, allerdings in den nächsten Jahren vermutlich nicht mehr ganz so stark wie seit dem Tätigwerden der Deutschen Rentenversicherung im Jahre 2007. Die Entwicklung der Versichertenzahlen verläuft nach unseren Beobachtungen recht kontinuierlich. Der jährliche Zuwachs im Versicherungsbestand liegt bei etwa 4.000 selbstständigen Künstlern und Publizisten. Die Kulturwirtschaft nimmt weiterhin an Bedeutung zu und die Rahmenbedingungen für eine selbstständige Tätigkeit sind für die Künstler und Publizisten in den letzten Jahren in verschiedener Hinsicht deutlich günstiger geworden. Ich nehme deswegen an, dass der Zuwachs im Versichertenbestand zumindest in den nächsten Jahren ähnlich verlaufen wird, wie in den Vorjahren.

puk: Das Thema Kultur- und Kreativwirtschaft erfährt große Aufmerksamkeit. Im Rahmen der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung soll die Kulturwirtschaft und besonders die Existenzgründung gefördert werden. Sehen Sie diese Entwicklung manchmal auch mit gemischten Gefühlen oder sehen Sie unbegrenzte Auftragsmöglichkeiten für die selbständigen Künstler und Publizisten?
Fritz: Die europäischen und nationalen Initiativen zur Kultur- und Kreativwirtschaft zielen auf bessere Wirkungs- und Wachstumsvoraussetzungen dieser Branchen ab. Damit wird die Politik der zunehmenden volkswirtschaftlichen Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges gerecht. Die Künstlersozialkasse beteiligt sich aktiv an der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung, die auch das Ziel verfolgt, Existenzgründer zu ermutigen und sie mit Informations- und Coachingangeboten in die Lage zu versetzen, eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit wirtschaftlich erfolgreich auszuüben. Die KSK kann diese Zielsetzung nur unterstützen. Wir stehen in engem Kontakt zu dem Koordinator der Initiative auf Bundesebene und sind auch an regionalen Informationsveranstaltungen mit unseren Angeboten präsent. Unbegrenzte Auftragsmöglichkeiten für selbständige Künstler und Publizisten werden sich daraus sicherlich nicht ergeben. Die Initiative trägt aber zur Verbesserung der Rahmenbedingungen bei. Ich selbst weiß aus persönlichen Gesprächen mit selbstständigen Künstlern und Publizisten, dass die selbstständige Tätigkeit wegen der damit verbundenen Unabhängigkeit und der Vielzahl von Fonds in besondere von jungen Leuten sehr positiv gesehen wird.

puk: Aus dem politischen Raum kommen immer mal wieder Forderungen nach einer allgemeinen gesetzlichen Rentenversicherung, um die Altersarmut sogenannter „kleiner Selbstständiger“ zu verhindern. Wo sehen Sie in diesen Debatten die Künstlersozialkasse?
Fritz: Die Diskussionen um eine allgemeine gesetzliche Rentenversicherung für alle Bürger sind nach meiner Kenntnis noch nicht so weit gediehen, dass sich klare Konturen erkennen lassen und die Frage stellt sich ja übrigens nicht nur für die KSV. Insofern ist es natürlich für die Künstlersozialkasse schwierig ihre Position zu bestimmen. Andererseits besteht kein Zweifel, dass das System der Künstlersozialversicherung in den Blick geraten wird, wenn sich Vorstellungen für eine umfassende Rentenversicherung konkretisieren sollten. Ich denke, dass wir dieser Diskussion gelassen entgegensehen können, weil sich die Künstlersozialversicherung, so wie sie  derzeit ausgestaltet ist, bewährt hat und von einem weitgehenden Konsens getragen wird. Mit ihrer Arbeit wird die Künstlersozialkasse auch weiterhin ihren Teil dazu beitragen, dass dies so bleibt.

puk: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Uwe Fritz ist Leiter der Künstlersozialkasse. Gabriele Schulz ist Stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Kulturrates

REDAKTION Stefanie Ernst | 1 Kommentar